Zehn Jahre nach dem Start der Hartz-IV-Reform dringen die Gewerkschaften auf durchgreifende Korrekturen. Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, sagte, bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen müsse mehr getan werden. Entsprechende Schritte hatte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bereits angekündigt.

Auch IG BAU-Chef Robert Feiger hält Änderungen für nötig. Viele Bedürftige würden gar nicht mehr erfasst, weil sie sich von vornherein ausrechnen können, dass es für sie keine Hilfe gebe, sagte Feiger. "Sie haben resigniert und verzichten auf den Gang zu den Arbeitsagenturen." Das sei nur für die Statistik positiv.

Der Leiter der Arbeitsmarktreformen, Peter Hartz, sagte der Saarbrücker Zeitung, für ihn seien die Maßnahmen ein Erfolg. Allerdings müsste mehr für Langzeitarbeitslose getan werden. Jeder Arbeitslose habe Talente, die man aber erst gezielt erkennen und systematisch fördern müsse.

Unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) traten von 2003 bis 2005 verschiedene Arbeitsmarktreformen in Kraft. Das vierte Gesetz sah die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum neuen Arbeitslosengeld II vor, das Hartz IV genannt wird.

Den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zufolge empfingen im November etwas mehr als sechs Millionen Menschen Hartz IV. 1,7 Millionen Menschen davon galten als nicht erwerbsfähig, weil sie unter 15 Jahren alt waren oder aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht arbeiten konnten. Nach den zuletzt hochgerechneten Zahlen waren 1,8 Millionen Bezieher von Hartz IV erwerbsfähig und arbeitslos. 1,3 Millionen Menschen waren erwerbstätig und haben als sogenannte Aufstocker zusätzlich Leistungen über Hartz IV bezogen.