In der Union mehren sich Stimmen, sich konstruktiv mit den Sorgen der Pegida-Anhänger zu befassen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte in der ARD, zwar gebe es bei den Initiatoren "problematische Entwicklungen", aber unter den Teilnehmern der Demonstrationen "gibt es doch ganz schön viele, die bringen ihre Sorgen zum Ausdruck vor den Herausforderungen unserer Zeit".

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte die in Köln tagende Innenministerkonferenz von Bund und Ländern auf, eine Strategie zu entwickeln. "Dabei müssen wir die Ängste der Bevölkerung aufnehmen, bevor es rechtsextremistische Rattenfänger mit ihren dumpfen Parolen tun", sagte er der Bild-Zeitung. "Der Aufruf zur Toleranz allein wird hier nicht mehr reichen."

De Maizière wies auf eine Studie hin, die seiner Ansicht nach belegt, dass sich ein Teil der Bürger wie Fremde im eigenen Land fühle. "Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen, damit müssen wir uns auseinandersetzen." Aufklärung, Gespräche und das Lösen von Problemen könne dabei helfen.

Zuvor hatten AfD-Politiker Verständnis für die Anliegen der Demonstranten geäußert. Als "Neonazis in Nadelstreifen" bezeichnet hatte Pegida hingegen der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Nordrhein-Westfalens Ressortchef Ralf Jäger (SPD). Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) warnte vor einer Stigmatisierung der Anhänger der Bewegung.

Auch der Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, warnte davor, das Gros der Demonstranten mit Rechtsextremisten gleichzusetzen – wenngleich solche darunter seien. Er warb im ZDF für einen inhaltlichen Dialog mit besorgten Bürgern.  

Die Bewegung Pegida hat ihren Ursprung in Dresden. Die Initiatoren beklagen eine ihrer Ansicht nach zunehmende Islamisierung der Gesellschaft, warnen vor kriminellen Ausländern und der Abkehr von abendländischer Kultur und Werten. An einer Demonstration hatten sich dort am Montag etwa 10.000 Menschen beteiligt – 9.000 Gegendemonstranten hatten gegen die Kundgebung protestiert.