Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat unter dem Eindruck der islamfeindlichen Pegida-Demonstrationen die Politik aufgefordert, Sinn und Nutzen von Zuwanderung besser zu erklären. Der Bild-Zeitung sagte Schäuble: "Wo wir alle besser werden müssen, das ist beim Erklären der vielen Veränderungen im Alltag und in der Welt." 

Der Finanzminister mahnte, der Islam dürfe nicht mit Islamismus verwechselt werden: "Wovor sich die Menschen zu Recht fürchten, ist nicht der Islam, sondern der islamistische Terror." Die Politik habe diesbezüglich aus seiner Sicht "alles Erdenkliche unternommen" – auch mehrfach Anschläge verhindert, sagte Schäuble, der von 2005 bis 2009 Bundesinnenmister war.  

Schäuble erinnerte daran, dass Zuwanderer in Deutschland eine wichtige Rolle beim Aufbau gespielt hätten. "So wie uns nach dem Zweiten Weltkrieg Millionen Flüchtlinge und Vertriebene beim Aufbau unseres Land genützt haben und später die Gastarbeiter, so brauchen wir auch heute Zuwanderung." Das Zusammenleben mit Zuwanderern, so Schäuble, werde "unseren Alltag verändern, aber nicht verschlechtern, sondern meistens verbessern."   

Fehlendes Vertrauen in Politik nährt Pegida

Vor wenigen Tagen hatte Schäuble gesagt, hinter den mitunter ausländerfeindlichen Demonstrationen stehe fehlendes Vertrauen in die Politik. Dass Pegida davor warne, dass Deutschland überfremdet werde, deute auf soziale Ängste hin. "Eine moderne, freiheitliche Gesellschaft hängt davon ab, dass die Menschen das Gefühl haben, es geht in ihr fair zu. Wenn diese Grundvoraussetzung für sozialen Zusammenhalt verloren geht, wird das Gesamtsystem geschwächt", sagte Schäuble

Die Pegida-Bewegung organisiert seit Wochen Demonstrationen. In Dresden, wo die islamfeindliche Bewegung entstanden war, waren es zuletzt etwa 17.500 Teilnehmer.  

Einer repräsentativen Umfrage von YouGov im Auftrag von ZEIT ONLINE zufolge sympathisiert fast jeder zweite Bundesbürger mit Demonstranten, die gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" und die "Islamisierung des Abendlandes" auf die Straße gehen. 

Aber es formiert sich bundesweit auch immer mehr Widerstand. Diese Menschen demonstrieren, um ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit zu setzen. So protestierten in Dresden, Bonn, München, Nürnberg und Würzburg kürzlich Tausende Menschen gegen Pegida.