Führende Mitglieder der AfD haben Vorstandsmitglied Bernd Lucke aufgefordert, seine Pläne für eine Ein-Mann-Parteispitze zu begraben. Die Partei wird derzeit von drei Vorsitzenden geführt, neben Lucke sind das Konrad Adam und Frauke Petry. Beide haben ein Schreiben unterzeichnet, in dem mehrere Parteigrößen ihre Verärgerung über Luckes jüngsten "Alleingang" ausdrücken. 

Lucke hatte eigenmächtig zu einer Kreisvorsitzendenkonferenz eingeladen, um noch vor dem Parteitag in Bremen über die geplante Satzungsänderung zu sprechen. Lucke will, dass es künftig nur noch einen Parteivorsitzenden gibt. Die Unterzeichner des Briefes lehnen das ab. Mitverfasser der Schreibens sind neben Adam und Petry die Parteichefs von Brandenburg und NRW, Alexander Gauland und Marcus Pretzell sowie die Europaabgeordnete Beatrix von Storch.

Die Unterzeichner fordern nun ein klärendes Gespräch mit Lucke. Sollte er sich dem Prinzip der Teamarbeit verschließen, könne leicht der Eindruck entstehen, bei der Konferenz solle nicht über die neue Satzung diskutiert werden, sondern die Funktionsträger der AfD sollten "auf Linie gebracht" werden. 

Streit über Nähe zu Pegida

Hintergrund des Machtkampfes ist auch ein Richtungsstreit. Die Lucke-Gegner wollen die Partei stärker nach rechts und zur islamfeindlichen Pegida-Bewegung hin öffnen. Lucke will einen gemäßigteren Kurs fahren. In dem Brief heißt es nun laut Spiegel Online, die Partei solle sich öffnen für "Menschen, die eine islamische Überfremdung fürchten". Zudem wolle man Bürger ansprechen, die über "den Einfluss amerikanischer Banken auf die Politik oder die Souveränität Deutschlands nachdächten".

Vor allem Gauland und Petry hatten mehrfach öffentlichkeitswirksam ihre Nähe zu Pegida inszeniert. So hatte Gauland die islamfeindlichen Demonstranten gegen die Kritik von Kanzlerin Angela Merkel verteidigt. Zudem nahm er an einer Pegida-Demonstration teil – als Beobachter, wie er es formulierte. Petry hat die Pegida-Organisatoren zu einem Treffen mit der sächsischen AfD-Fraktion eingeladen, es ist am Mittwoch angesetzt.

Schlechte Umfragewerte

In der Partei rumort es auch wegen schlechter Umfragewerte. Laut einer Erhebung des Forsa-Instituts rangiert die AfD bundesweit wieder knapp um die fünf Prozent, nachdem sie zwischenzeitlich deutlich höhere Werte erzielt hatte. Die Partei profitiert offenbar nicht von der Debatte um eine härtere Beschränkung der Zuwanderung. "Das größte Problem am Ende des vergangenen Jahres war für die Deutschen die Zuwanderung von Ausländern", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Mit 38 Prozent sei es von den Befragten am meisten genannt worden.   

"Die Bürger machen das fest an der ungeschickten Verteilung der Asylbewerber, am Missbrauch von Sozialleistungen oder auch an der vermeintlich hohen Zahl von Flüchtlingen, die Deutschland aufnimmt", erklärte Güllner weiter. Auf die Sympathiewerte der AfD schlage das allerdings kaum durch. Das wollen die Lucke-Gegner mit ihrem Kurs hin zur Pegida-Bewegung nun ändern.