Manchmal, wenn sich Politik auf Machtkämpfe reduziert, drängt es sich auf, das Ergebnis nach der gleichen Weise einzuordnen wie Fußballspiele: Wer hat denn nun gewonnen?

So ist es jetzt auch bei der AfD, die nach monatelangem Konflikt ihren Streit darüber beigelegt hat, wie viele Parteichefs sie haben will. Bisher sind es drei, Gallionsfigur Bernd Lucke drängte aber darauf, alleiniger Vorsitzender zu werden. Dagegen stemmte sich aber die Mehrheit des Vorstands. Nun haben sie sich geeinigt: Auf dem Parteitag Ende des Monats wollen sie die Satzung so ändern, dass die Spitze auf zwei Personen schrumpft. Ab dem ersten Dezember soll es dann nur noch einen Chef geben und einen Stellvertreter.

Die eine Lesart ist: Lucke hat verloren, weil er noch vor wenigen Tagen jede Abweichung von der Ein-Personen-Spitze abgelehnt hatte. Die andere: Seine Vorstandskollegen Frauke Petry, Konrad Adam und Alexander Gauland haben verloren, weil sie es nicht geschafft haben, das Modell mit den drei Vorsitzenden beizubehalten.

Meist aber, und das ist der Unterschied zum Fußball, enden Machtkämpfe in der Politik in komplizierten Unentschieden. Der brandenburgische Fraktionschef und Lucke-Stellvertreter Alexander Gauland jedenfalls sagt ZEIT ONLINE: "Wir haben uns auf diesen Kompromiss geeinigt, weil wir das Experiment AfD erhalten wollen und keinesfalls riskieren wollten, dass die Partei auseinanderbricht oder sich spaltet." Man habe den Mitgliedern vor dem Parteitag Ende Januar die Angst nehmen wollen, dass dort "zwei Schnellzüge aufeinanderprallen und so die ganze Partei in den Sand setzen".

"Rauch aus der Friedenspfeife"

Tatsächlich war der Führungsstreit zuletzt gefährlich eskaliert. Die Vorstandsmitglieder beschimpften sich in Interviews und in persönlichen Briefen, die dann doch in Medien landeten. Gauland nannte Lucke einen "Kontrollfreak", Henkel beschimpfte Adam als "von Ehrgeiz zerfressen" und "destruktiv". Landesverbände setzten wütende Schreiben an ihre Bundesvorsitzenden auf, sie sollten sich doch endlich zusammenraufen. Dabei hatten Gauland und andere ihr Führungsteam stets als Gegenmodell zu den strengen Hierarchien der "Altparteien" gepriesen. 

Der Kompromiss nun gleicht die AfD an diese "Altparteien" an. AfD-Vorstandssprecher Konrad Adam bezeichnete die Einigung im Gespräch mit ZEIT ONLINE als "Rauch aus der Friedenspfeife". Sie sei aber keine Entscheidung über die künftige inhaltliche Ausrichtung der Partei.