Die Berliner Polizei hat am Morgen Razzien in der Salafistenszene vorgenommen und zwei Personen festgenommen. Es seien 250 Beamte im Einsatz, darunter drei Spezialkommandos, teilte die Polizei mit. Die seit mehreren Monaten geführten Ermittlungen richteten sich gegen fünf türkische Staatsangehörige, die "der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in Syrien" und der Geldwäsche verdächtigt würden.

Es lägen keine Anhaltspunkte vor, dass Anschläge in Deutschland geplant worden seien. Die Beschuldigten gehörten zum Teil seit Jahren zur gewaltbereiten Salafistenszene, hieß es weiter. Durchsucht wurden im Auftrag des Berliner Generalstaatsanwalts elf Wohnungen mit Schwerpunkt in den Stadtteilen Moabit und Wedding.

Einem 41-jährigen Verdächtigen wird vorgeworfen, als selbsternannter Emir und sogenannter Weisenratspräsident eine Islamistengruppe in Berlin-Tiergarten anzuführen. Sie soll vornehmlich aus türkischen und russischen Staatsangehörigen tschetschenischer und dagestanischer Herkunft bestehen. Der Mann steht im Verdacht, die Gruppe durch einen von ihm abgehaltenen Islamunterricht radikalisiert und auf die Teilnahme am Dschihad gegen Ungläubige in Syrien vorbereitet zu haben.

Geld für Ausreise nach Syrien

Ihm und einem für Finanzen zuständigen 43-jährigen Verdächtigen wird zudem vorgeworfen, Mitglieder der Gruppe bei der Ausreise nach Syrien organisatorisch und finanziell unterstützt und später erhebliche Geldbeträge zur Begehung schwerer Gewalttaten zur Verfügung gestellt zu haben. Es besteht auch der Verdacht, dass ausgereiste Mitglieder durch Beschaffung hochwertigen militärischen Materials wie etwa speziellen Nachtsichtgeräten unterstützt worden sind.

Der Verfassungsschutz rechnet mehr als 43.000 Menschen zur islamistischen Szene in Deutschland. Diese ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen – vor allem durch den starken Zulauf bei der Gruppe der Salafisten, einer besonders konservativen Strömung innerhalb des Islam.

Mehr als 550 radikale Islamisten aus Deutschland sind bislang in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist. Die Zahl geht seit Langem kontinuierlich nach oben. Viele haben sich dort der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen. Etwa 180 der Ausgereisten sind inzwischen wieder in Deutschland.