Wegen aus Syrien zurückkehrender Extremisten ist die Gefahr von Terroranschlägen in Europa laut der Polizeibehörde Europol so hoch wie seit dem 11. September 2001 nicht mehr. Zwischen 3.000 und 5.000 islamistische Kämpfer könnten in ihre Heimatländer reisen und ähnliche Anschläge wie in Paris verüben, sagte Europol-Chef Rob Wainwright vor einem Ausschuss des britischen Parlamentes.

Europol habe eine Liste von 2.500 Verdächtigen aus verschiedenen Ländern angelegt. Potenzielle Täter könnten aus Syrien und dem Irak, aber auch aus Afrika und von der arabischen Halbinsel kommen. Der stellvertretende Europol-Direktor Wilhelmus van Gemert warnte,  es gebe immer mehr Verbindungen zwischen Terroristen und dem organisierten Verbrechen. Beide "arbeiten oft Hand in Hand zum Beispiel bei Geldwäsche, Schleuserkriminalität oder bei der Fälschung von Pässen", sagte van Gemert der Bild-Zeitung.

Der EU-Antiterrorbeauftragte Gilles de Kerchove sagte indessen in Brüssel, ein neuer Anschlag in Europa lasse sich nicht mit hunderprozentiger Sicherheit verhindern. "Die Bedrohung bleibt ernst", sagte de Kerchove.  

Für Deutschland sah de Kerchove im europäischen Vergleich keine geringere Bedrohungslage, auch wenn es dort bisher keine schweren Anschläge gegeben habe. Er forderte, die Speicherung von Fluggastdaten einzuführen. "Alle Experten sagen, dass dies einer der wenigen Mechanismen ist, der es erlaubt, verdächtige Bewegungen von Leuten aufzuspüren, die noch nicht erkannt sind", sagte er. Bisher gibt es für die Maßnahme noch keine Mehrheit.