Ein Mitstreiter Pretzells und AfD-Vorstandsmitglied aus Aachen sieht es so: Die sächsische JA-Vorsitzende sei leicht zu provozieren. Ihm gegenüber habe sie einmal eingeräumt, besonders extreme Standpunkte zu vertreten. Er hoffe, dass die JA Sachsen bald zur Vernunft zurückkehre. Diese hätte sich zu voreilig gegründet und sei von Anfang an mit den falschen Leuten besetzt gewesen, schreibt der Mann an Vanessa.

Mit dabei im aktuellen Vorstand ist jetzt zum Beispiel Julien Wiesemann. Er war vorher stellvertretender Landeschef der rechtspopulistischen Anti-Islam-Partei Die Freiheit. "Was ist aus Deutschland geworden", fragte Wiesemann einmal auf deren Parteitag, "wenn Zuwanderer mittlerweile in Ballungsgebieten ihren Hass auf Deutsche ungehindert ausleben?"

Ebenfalls vertreten ist Sören Oltersdorf. Im April 2014 machte der damalige Dresdner AfD-Kreisvorsitzende von sich reden. Mehrere Medien berichteten von seiner Teilnahme am Europakongress der Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der NPD. Heute ist er Beisitzer im Vorstand der sächsischen Jugendorganisation – "und dadurch aus der Schusslinie", wie Kerstin Köditz sagt, Sprecherin für antifaschistische Politik der Linkspartei im sächsischen Landtag. Für sie sei das kein unbekanntes Verfahren. Die Junge Alternative verortet sie klar rechts von der AfD. "Der AfD-Nachwuchs ist bisher durch Statements aufgefallen, die noch weiter gehen und radikaler klingen als das, was die Mutterpartei erzählt."

Kein exklusiv sächsisches Problem

Im Juni verkündet Vanessa, befremdet von den Äußerungen ihrer Parteikollegen, ihren Austritt aus der Jugendorganisation. Doch ist sie mittlerweile so etwas wie eine Attraktion in der JA. "Endlich mal ein hübsches Mädchen in unserer Partei", sagen Strategen zu ihr. Genauso schnell wie Vanessas Facebook-Profilbilder machen jetzt Gerüchte über ihren Austritt die Runde. Vanessa lernt in den folgenden Wochen JA-Mitglieder aus allen möglichen Bundesländern kennen, weil sich diese persönlich an sie wenden. Vanessa spielt mit. "Ich wollte wissen, ob die JA in anderen Bundesländern mehr taugt."

Ihre Hoffnung erfüllt sich nicht. Eher sieht sich Vanessa bestätigt: Die braune Färbung der Jungen Alternative ist kein exklusiv sächsisches Problem. Ein AfDler fragt Vanessa, ob sie sich ihrem eigenen Volk nicht näher fühle als "irgendwelchen Negern". Sie solle sich mal "mit den unterschiedlichen Menschenrassen und ihren Eigenschaften auseinandersetzen". So steht es in der Kommunikation der beiden, die ZEIT ONLINE vorliegt.

Vanessa unterhält sich auch mit Lars Steinke, der zwar aus der AfD ausgeschlossen werden sollte, aber weiter im niedersächsischen JA-Vorstand aktiv ist. Er fragt sie, ob sie Jüdin sei.

Wenn alles nach Plan läuft, sollen Ende dieser Woche bundesweit alle JA-Verbände in die Partei AfD integriert werden. Auch die JA Sachsen mit Schreiber, Oltersdorf, Wiesemann und etwa 60 weiteren Mitgliedern. "Mit der offiziellen Angliederung werden diese Leute wieder heimgeholt",  formuliert es die Linke Köditz.

*Name von der Redaktion geändert

Lars Steinke wurde in der Ursprungsfassung fälschlicherweise als Mitglied der Identitären Bewegung bezeichnet. Wir haben das inzwischen korrigiert und bitten es zu entschuldigen.