In dem Manifest findet sich unter anderem die Forderung nach einem Ende des "Kriegsschuldkultes" – ein Begriff, der sonst nur in Nazikreisen zirkuliert. Außerdem soll es Muslimen verboten werden, in Deutschland zu missionieren. Womit, würde das wirklich geschehen, die im Grundgesetz verbriefte Meinungs- und Religionsfreiheit verloren wäre.

Hat sich mit dem Anschlag von Paris irgendetwas für die Legida-Organisatoren geändert? Am Morgen machte die Meldung die Runde, Legida hätte einvernehmlich mit den Behörden beschlossen, Mohammed-Karikaturen auf der Demonstration zu verbieten. Die Stadt zog die Verfügung wieder zurück, der Legida-Sprecher aber bestätigt, dass man die Bilder gern verboten hätte. "So einen Islamisten dürfen Sie nicht provozieren. Das ist wie, wenn Sie einen Schalke-Fan in voller Montur vor eine BVB-Kurve stellen." 

Man weiß gar nicht, was man zuerst darauf erwidern soll. Hoyer aber hat jetzt wenig Zeit für weitere Erklärungen, denn immer mehr Teilnehmer finden sich auf dem Feld ein.

Rentner, Nazis und Azubis finden sich auf dem Feld ein

Tausend sind es, dann zweitausend, dann dreitausend. Am Ende, so wird die Polizei später berichten, werden sich 4.800 Menschen an dem Marsch beteiligt haben. Es ist ungefähr das Publikum, das auch in Dresden seit Wochen marschiert: Viele Rentner, nicht wenige Nazis, Azubis, viele unauffällig wirkende Menschen mit Anglerwesten und Parkas. Einen Unterschied zu den Pegida-Märschen aber gibt es: Es sind deutlich weniger Frauen hier. 

Eine von ihnen streitet sich mit einem schweren Mann, der ein Plakat mit der Aufschrift "Wir sind keine Amiknechte" trägt. "Wegen dem Scheiß bin ich nicht hergekommen", ruft sie. "Ich schäme mich für Sie!" Der Mann trottet schulterzuckend weiter zur Bühne. Weswegen ist sie denn hergekommen? "Hier geht es um Geld", sagt sie bestimmt. "Für den Euro, für die Ausländer, für alle ist Geld da, nur nicht für deutsche Schulen." Ob die Frau zufrieden war mit dem, was sich kurz danach auf der Bühne abspielt? 

Dort wird in den nächsten Minuten ein Allerlei an Geschichten präsentiert, in denen "Volksverräter" die Hauptrolle spielen, Ausbeuter, Korrupte, Betrüger, Islamisten, Faulenzer, Kriminelle, Gewalttäter. Und in denen sie, die hier Anwesenden, die Guten sind, aber immer den Kürzeren ziehen. Weil das feige und korrupte Establishment das Volk belügt und herabwürdigt.