Vor der für Montagabend geplanten Demonstration der islamkritischen Pegida-Bewegung in Dresden hat Justizminister Heiko Maas die Absage der Kundgebung gefordert. "Hätten die Organisatoren einen Rest von Anstand, würden sie diese Demonstrationen einfach absagen", sagte der SPD-Politiker der Bild mit Blick auf die jüngsten Anschläge in Frankreich. Die Opfer hätten es nicht verdient, "von solchen Hetzern missbraucht zu werden", sagte er. Auch CSU-Chef Horst Seehofer rief die Organisatoren dazu auf, die Demonstrationen auf absehbare Zeit abzusagen. Das sagte er in der ARD. Die Pegida-Initiatoren haben ihre Anhänger aufgerufen, im Gedenken an die Opfer von Paris am Montag Trauerflor zu tragen.

Maas nannte es "widerlich", wie die Organisatoren der Demonstrationen das Verbrechen von Paris ausschlachten wollten. "In Dresden wollen Menschen mit Trauerflor am Arm eben jener Opfer in Paris gedenken, die sie vor einer Woche noch als Lügenpresse beschimpft haben."

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière warf den Pegida-Organisatoren einen Missbrauch der Terroranschläge gegen das Satiremagazin Charlie Hebdo und einen koscheren Supermarkt vor. "Die Instrumentalisierung eines so schrecklichen Mordanschlages für die eigenen Zwecke ist schäbig", sagte der CDU-Politiker der Bild am Sonntag. "Was Pegida da betreibt, ist ein unlauteres Spiel mit Worten."

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in Hamburg, die Aufforderung in ihrer Neujahrsansprache, sich den Pegida-Demonstrationen nicht anzuschließen, gelte weiter. "Wo Hass und Vorurteile zu Hause sind, da werden wir auch keine guten Lösungen für uns alle finden", sagte sie in ihrer wöchentlichen Internet-Botschaft. Deshalb müsse sich jeder zu den Grundwerten des Landes bekennen, wozu das Recht auf Asyl für verfolgte Menschen gehöre.

Am Samstag folgten etwa 35.000 Menschen einem Aufruf der sächsischen Landesregierung und beteiligten sich an einer Kundgebung für Weltoffenheit und Mitmenschlichkeit in Dresden. Die Demonstration sollte ein Zeichen gegen Pegida setzen, an deren Protestmarsch sich vergangene Woche etwa 18.000 Menschen beteiligt hatten.

Laut einem Bericht Frankfurter Rundschau bemühen sich die Pegida-Veranstalter, die Gruppe zu einer festen Organisation mit eigenen Einnahmen zu machen. Das Dresdner Finanzamt prüfe den Antrag des Vereins auf Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Spenden an das Bündnis würden dann von der Steuer absetzbar.