Ja, was denn nun? Verlässt Lutz Bachmann Pegida wegen seiner Hasstiraden auf Ausländer? Oder gehen die anderen Pegida-Organisatoren, weil Bachmann nun doch bleiben will? Die Dresdner Demo-Organisatoren, die sich schon als Verein eingetragen haben und sich um Professionalität bemühen, zerstreiten sich nun also.

Als Gewinner wird niemand daraus hervorgehen. Weil sich schon jetzt für alle sichtbar als Täuschung erweist, was Pegida lange behauptet hat: dass hier das Volk spricht, mit sich selbst einig, weil mit sich selbst und seiner Identität im Reinen. Nun zerfällt also dieses vermeintliche Volk in Bachmann- und Oertel-Lager und beweist so selbst, dass es das nie gab, das eine Volk, das recht hat, nur weil es da ist.

Vielleicht werden nun also bald Pegida Eins und Pegida Zwei sich die vornehmlich sächsischen Plätze teilen müssen, so wie es sich mit den Differenzen zwischen Pegida und Legida schon angedeutet hatte. Kann sich die Mehrheit der Deutschen, die von den von Pegida verkörperten Ressentiments schon immer abgestoßen wurde, jetzt also freuen und das Pegida-Kapitel als abgeschlossen betrachten? Das wäre falsch. 

Es geht nicht um die Demonstranten

Denn es ging dabei ja nie um die zehn- oder zwanzigtausend Demonstranten, es ging um die systemkritische bis systemfeindliche Haltung und um die Islamfeindlichkeit, die durch sie zum Ausdruck kommt, und hinter der sich weit mehr Deutsche versammeln, wenn auch keinesfalls eine Mehrheit.

Es geht um die Menschen, die "den Medien" grundsätzlich nicht mehr glauben, es geht um eine Weltwahrnehmung, die alles ausblendet, was nicht der eigenen Meinung entspricht. Es geht um einen Rückzug ins Private und um die Erlahmung einer Demokratie, die diese unpolitische Bequemlichkeit erst ermöglicht. Und es geht auch um die Frage, ob eigentlich jeder "mitgenommen" oder "abgeholt" werden muss von "der Politik", oder ob diejenigen, die mit dem Staat nichts mehr zu tun haben wollen, weil er nicht so liefert wie sie es wünschen, nicht selbst verantwortlich sind für ihre Ausgrenzung. Das ist es ja, was längst erprobt wird im sogenannten Dialog mit den Pegida-Sympathisanten.

Bachmann und Oertel, da hat Pegida ausnahmsweise mal recht, waren wirklich unwichtig. Sie standen vielleicht nicht zufällig an der Spitze der Demonstrationen, aber sie waren doch austauschbar und keine Verführer oder gar Rattenfänger, wie manche besonders ahnungslosen Politiker anfangs raunten.

Die Islam-Debatte bleibt

Was auch nicht verschwinden wird ist die Frage nach dem Umgang mit dem Islam in Deutschland. Alexander Gauland setzt sich gerade an die Spitze dieses Streits mit seiner absurden Forderung, keine Zuwanderung aus dem Nahen Osten mehr zuzulassen, weil der Islam fremd und also nicht integrierbar sei. Pegida hat mit der Panikmache vor einer "Islamisierung" hier eine Debatte angefacht und auf eine Schwarz-Weiß-Logik zurückgeworfen ("Ist der Islam böse oder gut?"), die schon vorher da war und eigentlich, zumindest in weiten Teilen der Öffentlichkeit, differenzierter diskutiert wurde.

Was auch noch da ist: die Angriffe auf Asylbewerberheime, deren Zahl sich zum Beispiel in Sachsen zuletzt fast verdreifacht hat. Die steigenden Flüchtlingszahlen. Die Klagen der Anwohner, die keine Asylbewerberunterkünfte in der Nachbarschaft haben wollen. Die merkwürdige Allianz Linker und Rechter in Verschwörungstheorien. Medien, die durch oft unangemessen laute Empörung das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen manchmal unnötig zerstören.

All das wird noch da sein, wenn Bachmann und Oertel und mit ihnen irgendwann vielleicht auch Pegida wieder verschwunden sein wird. Deshalb ist, so wie Pegida nie ein Grund zur Panik war, der jüngste Dresdner Streit unter den Organisatoren kein Grund, das alles abzuhaken. Nichts ist vorbei.