Die Äußerungen von Agrarminister Christian Schmidt (CSU) zu Privilegien für regionale Produkte sorgen für Diskussionen. Der Hauptgeschäftsführer der Spitzenverbände der deutschen Lebensmittelwirtschaft, Christoph Minhoff, sagte der Bild, regionale Spezialitäten müssten auch regionale Spezialitäten bleiben. "Wir wollen keine Original Nürnberger Rostbratwürstchen aus Kentucky."

Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) stimmte mit ein und sagte, die regional geschützten Produkte seien "ein hohes Gut, das hart erarbeitet wurde". Sie seien identitätsstiftend. "Wir werden sie nicht aufgeben."

Scharfe Kritik kam auch von den Grünen sowie vom Deutschen Bauernverband. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte der Passauer Neuen Presse, die Regierung räume nun "Schritt für Schritt ein, dass mit TTIP die Lebensmittelstandards in Deutschland und Europa abgesenkt werden". Er sprach von einer "Salamitaktik" und von "Verbrauchertäuschung hoch zehn", wenn künftig etwa Tiroler Speck aus Texas importiert würde.

Der Bauernverband sprach von einem "Ablenkungsmanöver". Die Debatte um Spezialitäten und bürokratischen Bezeichnungsschutz lenke von der eigentlichen Frage der Verhandlungen ab, sagte Verbandssprecher Michael Lohse der Passauer Neuen Presse. "Das wirklich entscheidende Problem, das zu lösen ist, sind gleiche Wettbewerbsbedingungen und die Erhaltung unserer Produktionsstandards." Europa habe an dieser Stelle höhere Anforderungen bei der Erzeugung.

"Bürokratischer Popanz und Protektionismus"

Unterstützung bekam Agrarminister Schmidt hingegen vom deutschen Milchindustrieverband. Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser sagte laut Bild, der "übermäßige Schutz" in der EU sei ein "bürokratischer Popanz und Protektionismus". Dies könne bei den Produzenten zu Millionenschäden führen. "Ich wäre froh, wenn Minister Schmidt sich durchsetzen würde." Ähnlich äußerte sich der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Zwar sei ein gewisser Schutz für echte Spezialitäten gut, etwa beim Dresdner Christstollen, sagte Verbandspräsident Peter Becker. "Aber nicht jede Wurst, nicht jeder Käse und auch nicht jede Brotsorte sollte geschützt werden."

Schmidt hatte dem Spiegel mit Bezug auf das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) gesagt, wenn die Chancen eines freien Handels mit dem US-Markt genutzt werden sollten, könne nicht mehr "jede Wurst und jeder Käse als Spezialität" geschützt werden. Am Sonntag stellte Schmidt indes in einer Fernsehsendung klar, dass er sich auch weiterhin für den Schutz regionaler Lebensmittel durch die EU einsetzen wolle. Die EU-Kommission müsse vor den Verhandlungen mit den USA über TTIP "klare Kante" zeigen.