Die Wahl ist noch gar nicht vorbei, da hat die AfD schon im Parlament im Hamburger Rathaus Platz genommen. So heißt zwar nur das Gewölbekeller-Restaurant im Rathaus, aber dass sie gerade hier ihre Wahlparty feierten, ist doch bezeichnend: Die Alternative für Deutschland war sich ihrer Sache offenbar sehr sicher. Es musste einfach klappen. Denn wie hätte das sonst ausgesehen, wenn sie die Fünf-Prozent-Hürde nicht geschafft hätten und nur im Keller ihr Bier hätten trinken dürfen, anstatt demnächst auch in den Stockwerken darüber im richtigen Parlament zu sitzen.

Die Hamburg-Wahl war für die AfD tatsächlich ein wichtiger Schritt. Sowohl zeitlich als auch inhaltlich. Ein Schritt zur Verstetigung ihres Erfolges und ein Schritt zur vermeintlichen Normalisierung einer gar nicht normalen Partei.

Dass sie nun in Hamburg knapp den Einzug geschafft hat, bedeutet für die AfD, dass ihre Erfolgsgeschichte weitergeht. Seit der Europawahl im vergangenen Mai haben sie es zum fünften Mal in Folge über die fünf Prozent geschafft, für junge Parteien ist es besonders wichtig, solche Serien zu halten, um den Ruf des Aufsteigers nicht zu verlieren. Das verschafft öffentliche Aufmerksamkeit. Deshalb wäre eine Niederlage in Hamburg so fatal gewesen.

Wird die AfD nun liberaler?

Ihre bisherigen Wahlerfolge hatte die Partei in Brandenburg, Sachsen, Thüringen: Orte, die vom stolzen westdeutschen Hamburg aus eher wie politische Peripherie aussehen. Deshalb wiederholten sie hier im Wahlkampf immer wieder, wie "liberal und weltoffen" Hamburg sei und sagten damit auch: Die da im Osten sind es nicht.

Bundessprecher Bernd Lucke kommt aus Hamburg, einer seiner Stellvertreter Hans-Olaf Henkel ebenfalls, und gerade jener Henkel schimpfte immer wieder auf die Ost-AfDler und verklärte Hamburg zum Tor zur politischen Welt, wenn er bei jeder Gelegenheit sagte: "Wenn wir es hier schaffen, können wir es überall schaffen."

Wird also die AfD nun liberaler? Ja und nein. Tatsächlich sagt Spitzenkandidat Jörn Kruse Sätze wie: "Der Islam gehört zu Hamburg." Im Wahlprogramm fordern sie 500 neue Polizisten, sehnen sich nach mehr Leistungsorientierung an den Schulen und wollen Lehrerinnen das Kopftuch verbieten. Keine Spur von Drei-Kind-Politik oder einem Verbot von Einwanderung aus dem Nahen Osten, von Forderungen also, mit denen die AfD in Sachsen und Brandenburg wirbt.

Doch bundespolitisch wird die Partei deswegen nicht plötzlich anders reden. Der nationalkonservative Alexander Gauland ist ja nicht deshalb so wichtig für die Außendarstellung der AfD geworden, weil er auch im Brandenburger Landtag sitzt, sondern vor allem, weil er laut ist. Der Hamburger Parteichef Jörn Kruse ist nicht laut. Die AfD hat mit ihm vielleicht einen für ihre Verhältnisse relativ liberalen Abgeordneten dazubekommen – eine starke liberale Stimme aber nicht.