Laut einem internen Gutachten des Luftfahrtamts der Bundeswehr ist der neue Marinehubschrauber MH90 nicht für den Überflug des offenen Meeres nördlich des 45. Breitengrades geeignet. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf das Gutachten. 

Der Hubschrauber dürfe nicht über Nord- und Ostsee eingesetzt werden, wenn man international gültige Bestimmungen zugrunde lege. Denn der Helikopter erreiche lediglich die "Flugleistungsklasse 3". Dann sind unter anderem Starts und Landungen in dicht besiedeltem Gebiet und medizinische Noteinsätze untersagt sowie der Betrieb einer Rettungswinde nur eingeschränkt zugelassen.

Vor allem aber sei "der Betrieb über Gebieten mit schwierigen Umgebungsbedingungen nicht erlaubt", schreiben die Gutachter des Luftfahrtamts. Als ein solches Gebiet ist auch das offene Meer nördlich des 45. Breitengrades definiert – also auch die Nord- und Ostsee. Dort sollen die Marinehubschrauber vor allem eingesetzt werden. Die Beamten raten deshalb dringend davon ab, sich mit Ausnahmeregelungen über die internationalen Sicherheitsstandards hinwegzusetzen.

In der kommenden Woche will sich Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vom Bundestag einen Beschaffungsvertrag über 168 Helikopter im Wert von rund 8,5 Milliarden Euro genehmigen lassen. Dazu gehören auch 18 Marinehubschrauber vom Typ MH90. 

Die Bundeswehr macht immer wieder mit ihrer schlechten Ausrüstung Schlagzeilen. Im Sommer 2014 verzögerte sich etwa die Lieferung von Schutzwesten und Nachtsichtgeräten an die Kurden im Irak. Die gelieferte Ausrüstung war zudem veraltet und teilweise unbrauchbar.