Die FDP hat in Hamburg – für sich betrachtet – einen Sieg von Scholz'schem Ausmaß errungen: Sieben Prozent, der Wiedereinzug in die Bürgerschaft, sogar eine kleine Chance auf das Mitregieren, das ist in Rückschau auf lange, zähe, enttäuschende Wahlkampfmonate ein stolzes Ergebnis für die Liberalen.

Doch wie reagiert FDP-Chef Christian Lindner? Sachlich, nicht euphorisch. "Auf dem Teppich" will er bleiben. Er sagt: "Wir wissen, wir sind noch nicht am Ziel." Kommt die FDP nun bundesweit zurück? Niemand kann das sicher sagen.

Der FDP-Erfolg von Hamburg beruhte auf drei Faktoren: Eine zuweilen grenzwertig personalisierte Kampagne zog alle Aufmerksamkeit auf die Partei. Zudem spielte der FDP der Zufall in die Hände. Nicht zuletzt war das politische Umfeld günstig: In Hamburg suchte die wohlhabende, wertkonservative und wirtschaftsfreundliche Klientel nach einer Alternative zur CDU.

Sex sells

Vor allem der erste Faktor aber könnte der neuen FDP auf lange Sicht mehr schaden als nutzen. Spaßpartei. Das war die FDP schon einmal unter dem "Kanzlerkandidaten" Guido Westerwelle und dem nordrhein-westfälischen Fraktionschef Jürgen Möllemann. Im Bundestagswahlkampf 2002 wollte man gemeinsam 18 Prozent holen, Westerwelle heftete sich die Zahl unter Schuhsohlen und ging in den Big-Brother-Container. Die Kampagne war grell und schrill und streitbar. Sie erzielte nicht das gewollte Ergebnis, beschädigte aber auf Jahre den Ruf der Partei.

13 Jahre später hat die FDP mit neuen, sehr bunten Parteifarben für sich geworben: Knallgelb, Tiefblau, Pink. Spitzenkandidatin Katja Suding wurde zum "Mann für Hamburg"– eine gewollte Provokation und auch ein Beweis dafür, wie einfach doch PR funktionieren kann: Die Leute redeten drüber, die Medien berichten wieder. 60 Prozent der FDP-Wähler gaben nach einer Analyse des ZDF-Politbarometers vom Sonntag an, die Partei vor allem wegen der Spitzenkandidatin gewählt zu haben.

So konsequent verkaufte Suding sich und ihr gutes Aussehen, Plakate von ihr hingen überall in der Hansestadt, eine persönlich gestaltete Homepage tat ihr Übriges. Das Momentum des Zufalls – ein sexistischer Kameraschwenk über ihre Beine in der Tagesschau – machte sie bundesweit bekannt. Sie war sich für Frauenzeitschriften nicht zu schade, gab der Bunten ein Interview und posierte mit zwei Mitstreiterinnen in der Gala im hautengen schwarzen Dress. In Kampfpose als  "Drei Engel für Lindner"– Suding streckte das linke Bein zum Spagat. Ein bisschen Trash darf sein, dachten sie sich da in der FDP. Es hat ja auch gewirkt. Die Kampagne kam übrigens von der Werbeagentur, die früher auch Möllemann beriet.

Trauriger Höhepunkt des durchaus oberflächlichen Wahlkampfs: ein Landtagskandidat, der auf Facebook Oben-ohne-Muskelfotos postete – für einen "schlanken und starken Staat", versteht sich. Parteichef Lindner, eigentlich eher bekannt für einen verkopften Auftritt, hat die Kampagne bewusst mitgetragen – aus Kalkül: Ende des vergangenen Jahres redete kaum noch jemand über die FDP. Jetzt ist sie wieder in aller Munde.