Am Tag nach den Attentaten von Kopenhagen sitzt Fatih Alev auf dem Sofa vor dem Fernseher und zieht über seine Prediger-Kollegen her. Die Moscheen in Dänemark seien "einfach unfähig", sagt er. Unfähig, jungen Muslimen ein attraktives religiöses Angebot zu machen. Es fange schon damit an, so Alev, dass kaum ein Imam im Königreich Dänisch spreche. Die meisten seien aus dem Ausland importiert. 

Und was sie dann predigten, habe wenig bis nichts mit der Lebenswirklichkeit und den Problemen junger Muslime in Kopenhagen oder Århus zu tun. "Es gibt keine Wegweisung, keine zeitgemäße Ansprache. Dann sucht jemand Wissen über den Islam, und wo findet er es dann? Im Internet. Und bei den Radikalen. Die einfachste Lösung, die dort ventiliert wird, lautet: Muslime werden überall unterdrückt – deshalb brauchen sie einen eigenen Staat."

Alev, 42, ist in Dänemark geboren, seine Eltern stammen aus der Türkei. Er ist selbst Imam, allerdings einer der modernen und liberalen Sorte. Seit Jahren versucht er Moscheegemeinden dafür zu gewinnen, Predigten auf Dänisch anzubieten. Es sei ein zähes Unternehmen, berichtet er. Der dänische Staat führe zwar "eine traute Ehe" mit der christlichen Kirche. Für muslimische Jugendarbeit oder eine zeitgemäße Koranerziehung gebe er aber keine Krone aus.

Das ist die eine Möglichkeit, die Hintergründe der wachsenden dschihadistischen Gefahr zu erklären. Viele, vielleicht entscheidend viele Dänen, neigen allerdings eher einer anderen Lesart zu. Sie lautet, dass der Islam mit dänischen Werten einfach nicht vereinbar ist, weswegen es darauf ankomme, islamische Zuwanderung zu begrenzen, und, wenn sie schon geschehe, die eigene Lebensweise künftig entschlossener zu verteidigen.

Die Rechtspopulisten haben Auftrieb

So sieht es die Dänische Volkspartei (Danske Folkeparti, DF). Die Partei, die vor zwanzig Jahren als rechtspopulistische Anti-Establishment-Bewegung begann, könnte dieses Jahr die Wahlen in Dänemark gewinnen. Bei der Europawahl 2014 wurde die DF mit 26,6 Prozent bereits die stärkste Kraft. Die Attentate des vergangenen Wochenendendes, bei dem ein junger Islamist zwei Menschen ermordete und fünf verletzte, werden für zusätzlichen Auftrieb sorgen. Spätestens im September muss die amtierende sozialdemokratische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt turnusgemäß Neuwahlen ausrufen.

Wenn die Dänische Volkspartei die Regierung stellt, wie wird sie das Land dann verändern? Peter Skaarup, der Fraktionschef der DF im Kopenhagener Parlament, dem Folketinget, legt schon mal ein paar klare Vorstellungen dar. Die 31 Erleichterungen, welche die amtierende Mitte-links-Regierung für das Einwanderungsrecht beschlossen hat, würden zurückgenommen, sagt er, stattdessen werde künftig jeder Zuwanderer mithilfe eines erweiterten Punktesystems genauer darauf geprüft, ob er nicht nur in Dänemark leben wolle, sondern ob er auch "Dänemark selbst wolle".