Sebastian Edathy könnte schon bald glimpflich davonkommen – strafrechtlich betrachtet jedenfalls. Kaum hatte gegen den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten am Montag der Strafprozess vor dem Landgericht Verden begonnen, stand schon dessen Ende im Raum. Im dunkelroten Klinkerbau der niedersächsischen Kleinstadt regte der Vorsitzende Richter Jürgen Seifert nach nur rund 90 Minuten Verhandlung an, das Verfahren wegen mutmaßlichen Besitzes von Kinder- und Jugendpornografie gegen eine "mittlere vierstellige Geldauflage" einzustellen. Darüber sei man schließlich schon seit dem Sommer im Gespräch, sagte Seifert.

Im Vorfeld des Prozesses hatte sich bereits abgezeichnet, dass Edathy nur eine geringe Strafe zu erwarten hat. Auf den Besitz von Kinderpornografie stehen in Deutschland bis zu drei Jahre Haft; in dem Zeitraum, in dem der Politiker sich Fotos nackter Jungen aus dem Internet heruntergeladen haben soll, waren es sogar nur bis zu zwei Jahre. Eine höhere Strafe als 24 Monate Gefängnis könnte er damit gar nicht bekommen.

Zudem hatte auch der Ankläger – die Staatsanwaltschaft – vorab die Erwartungen an den Prozess gesenkt. Edathy könne nur in insgesamt acht Vorfällen eine Straftat nachgewiesen werden, hieß es. Daher sei das Ausmaß des zu bewertenden Konsums gering und die Straferwartung eher im unteren Bereich anzusiedeln. Hinzu kommt, dass der SPD-Politiker die Bilder mutmaßlich "nur" heruntergeladen, aber nicht damit gehandelt hat.

Die Staatsanwaltschaft formulierte am Montag allerdings eine Bedingung für die Einstellung des Prozesses: Edathy solle vor Gericht ein "glaubwürdiges Geständnis" ablegen. Die Öffentlichkeit habe das Recht zu erfahren, dass das, was Edathy getan habe, durchaus falsch und strafbar sei, sagte Anklagevertreter Thomas Klinge. Auch der Vorsitzende Richter Seifert machte klar, das Gericht habe kein Interesse an "Hinterzimmerabsprachen".

Edathy rechnete gar nicht mit Prozess

Der Angeklagte verfolgte die Verhandlung zumeist schweigend, wie immer im tadellos sitzenden grauen Anzug mit dunkelblauer Krawatte und mit regungslosem Gesicht. Zuweilen ließ er die Fingerkuppen aufeinander wippen und seinen ernsten Blick über den Besucherraum schweifen. Er und sein Anwalt haben nun Zeit bis zum nächsten Verhandlungstermin in genau einer Woche, um über das Angebot nachzudenken.

Dass eine Einstellung des Prozesses durchaus in seinem Sinne läge, hatte Edathy schon im Dezember vor Journalisten angedeutet. Damals prahlte er mit der Geldauflage, die angeblich fast ausgehandelte Sache sei, und zeigte sich selbstgewiss, dass es wegen seiner vermeintlich geringen Schuld nie zu einem Prozess gegen ihn kommen werde. Das war vielleicht ein großer Fehler. Wenig später teilte die Staatsanwaltschaft nämlich mit, sie wolle nun doch eine Verhandlung – wegen des öffentlichen Interesses an dem Fall. Wäre Edathy nicht so prominent, wäre sein Fall nie vor Gericht gekommen, glaubt dessen Anwalt Christian Noll.

Laut Anklage soll sich Edathy im November 2011 sechs Mal kinderpornografische Dateien von zwei Websites mit russischer Domain auf seinen Dienstrechner heruntergeladen haben. Zudem habe er sich – jeweils zu einem "unklaren Zeitpunkt" – ein Magazin mit dem Titel Boys in ihrer Freizeit beschafft, dessen Inhalt die Staatsanwaltschaft als jugendpornografisch einstuft. In seiner Wohnung wurde außerdem ein Film mit dem Titel Movie gefunden, in dem "entweder sexuelle Handlungen unter 18-Jähriger untereinander zu sehen sind oder sexuelle Handlungen an sich selbst oder Darstellung der Geschlechtsteile in unnatürlicher Pose". Das ist lediglich die Definition von Jugendpornografie – wie heftig die Bilder waren, die Edathy  konsumierte, wurde am Montag vor Gericht nicht ausgeführt.