Die SPD-Spitze hat die Aussageverweigerung ihres Bundestagsabgeordneten Michael Hartmann im Edathy-Ausschuss als Fehler kritisiert. "Er hat damit eine Chance vertan, zur weiteren Aufklärung beizutragen. Ich hätte mir gewünscht, dass er sich anders entschieden hätte", sagte Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Bisher hatte die SPD-Führung zu Hartmanns Verhalten geschwiegen.   

"Diese ganze Affäre ist für die gesamte Politik eine große Belastung. Deshalb bin ich nicht froh, dass Herr Hartmann sich dazu entschieden hat, die Aussage im Untersuchungsausschuss zu verweigern, auch wenn ihm dieses Recht natürlich zusteht", sagte Fahimi weiter. Die Affäre sei aber keine SPD-Affäre, "sondern individuelles Fehlverhalten von Herrn Edathy." Der Untersuchungsausschuss müsse all die Umstände aufklären. "Alle sollten ihn dabei nach Kräften unterstützen." 

Auch der Vorsitzende der rheinland-pfälzische SPD, Roger Lewentz, kritisierte Hartmann. "Sein Verhalten irritiert uns und stößt schon vor den Kopf", sagte Lewentz der Rhein-Zeitung. Hartmann habe erst unmissverständlich mitgeteilt, dass er aussagen werde. "Wir waren sehr überrascht, dass er nun einen anderen Weg gewählt hat."

Aus Reihen des Koalitionspartners, der Union, war Hartmann bereits zum Verzicht auf sein Bundestagsmandat aufgefordert worden. Er wolle dieses aber trotz der Kritik und Zweifeln an seiner Glaubwürdigkeit behalten, hieß es in der SPD.

Hartmann gilt als eine Schlüsselfigur im Fall Edathy. Dem SPD-Politiker wird der Besitz kinderpornografische Bilder vorgeworfen. Im Dezember hatte Hartmann bei seinem ersten Auftritt im Untersuchungsausschuss ausgesagt, er habe seinen Parteifreund nicht über mögliche Ermittlungen informiert – doch die Ausschussmitglieder zweifeln an seinen Angaben. Edathy selbst behauptet, Hartmann habe ihn mit Informationen versorgt, und mehrere Zeugen bestätigten zuletzt dessen Version. Demnach soll Hartmann auf dem SPD-Parteitag Mitte November 2013 in Leipzig erst einen Vertrauten und dann Edathy selbst über die Ermittlungen informiert haben. Politiker aus der Union, von den Grünen und der Linken werfen Hartmann vor, gelogen zu haben.