Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Bundestag angekündigt, den Streit mit Griechenland über dessen Schulden beenden zu wollen. Die CDU-Politikerin möchte sich dazu während des EU-Gipfels in Brüssel mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras und Frankreichs Präsident François Hollande treffen.

"Eine Lösung kann jedoch heute Abend niemand erwarten", sagte Merkel, auch nicht am Montag in Berlin, wenn Tsipras die Bundeskanzlerin besuche. Dennoch werde Merkel alle ihre Gespräche so führen, dass "aus den Meinungsverschiedenheiten wieder gegenseitiges Verständnis" werde.

Merkel betonte, wie wichtig es sei, eine Antwort auf die Probleme mit Griechenland zu finden. "Die Welt schaut auf uns, wie wir mit Krise in einzelnen Mitgliedstaaten umgehen", sagte die Kanzlerin. Angesichts der Herausforderungen, die Europa bereits gemeinsam gemeistert habe, "sehe ich keinen Grund, vor der jetzigen Aufgabe zu verzagen", sagte Merkel. Klar sei für sie auch: "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa – ich bleibe dabei."

Wagenknecht wirft Merkel Demütigung Griechenlands vor

Griechenland allerdings habe die Krise noch lange nicht überwunden. "Es bleibt ein sehr schwerer Weg zu gehen." Notwendig sei ein "Kraftakt". Die internationalen Partner seien da, um Athen zu helfen. Doch müsse Griechenland die Hilfen als Verpflichtung verstehen, "den Haushalt zu reformieren und darauf hinzuarbeiten, eines Tages keine Hilfe mehr zu brauchen". Das werde nur gehen, wenn sich alle an die getroffenen Vereinbarungen hielten.

Die EU-Staats- und Regierungschefs kommen am Donnerstagabend zu einem zweitägigen Gipfeltreffen in Brüssel zusammen, das erneut von der Griechenland-Krise überschattet wird. Offizielle Themen des Gipfels sind die EU-Energieunion, Wirtschafts- und Finanzfragen, das Freihandelsabkommen TTIP sowie außenpolitische Themen wie das Verhältnis zu Russland, die Ukraine-Krise und die Lage in Libyen.

Auf die Rede der Bundeskanzlerin reagierte die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sahra Wagenknecht, äußerst kritisch. Sie warf Merkel vor, Griechenland fortwährend zu erniedrigen. "Wenn Sie ein einiges Europa wollen, dann hören Sie auf, andere Länder zu demütigen und ihnen Programme zu diktieren, die ihrer jungen Generation jede Perspektive nehmen", sagte Wagenknecht. Das Ergebnis sei stets "wachsende Ungleichheit und ein immer größerer Niedriglohnsektor".

Auch in Deutschland seien deswegen drei Millionen Menschen in Armut gerutscht. Statt diese Politik nun "zum Exportschlager zu erklären", sollte sie auch in Deutschland korrigiert werden, forderte Wagenknecht.