Wenn es um Militärtechnik geht, hat Europa gerne etwas Eigenes. Das führte zu langwierigen und teuren multinationalen Rüstungsprogrammen wie dem Kampfjet Eurofighter, dem Hubschrauber NH90 oder dem Transportflugzeug A400M. Jetzt sind die Drohnen dran: Innerhalb der nächsten zehn Jahre wollen Deutschland, Frankreich und Italien gemeinsam ein unbemanntes Flugzeug entwickeln, das in mittlerer Höhe mit langer Flugzeit als Aufklärungsplattform dient – aber auch mit Waffen bestückt werden kann.

Es gibt gute Gründe, warum sich die Europäer bei Technik – nicht nur im Rüstungsbereich – nicht von den USA und anderen Ländern abhängig machen wollen. Der frühere Verteidigungsminister Thomas de Maizière erlebte einen herben Reputationsverlust, als in seiner Amtszeit das Projekt der in den USA bestellten Riesendrohne Euro Hawk vorläufig beerdigt werden musste. Der Grund: Für den unbemannten Aufklärungsflieger lieferte der amerikanische Hersteller nicht die nötige Dokumentation beziehungsweise verlangte unglaublich viel Geld dafür, die Unterlagen mitzusenden. Daher konnte Euro Hawk nach deutschem Recht nicht zugelassen werden. Im europäischen Luftraum darf die Drohne also nur mit Sondergenehmigung in gesperrten Bereichen starten und landen.

Darüber hinaus kommt ausländische Technik meist einer sogenannten Blackbox gleich: Wichtige Komponenten dürfen die europäischen Betreiber nicht öffnen und ansehen, geschweige denn selber warten und reparieren. Bei aller transatlantischen Partnerschaft – das geht vor allem den Deutschen zu weit.

Ein gemeinsames europäisches Drohnenprogramm klingt deshalb erst einmal nicht schlecht. Vor allem, weil damit nicht nur technische, sondern vor allem auch rechtliche Fragen einer Zulassung in Europa von Anfang an berücksichtigt und eingebaut werden können. Wenn das System dann auch noch, wie die Industrie gerne verspricht, ein bisschen mehr kann als die auf dem Markt angebotenen Geräte aus den USA oder Israel, umso besser.

Einen solchen Vorschlag hatte die Industrie daher schon vor fast zwei Jahren gemacht. Im Sommer 2013 verständigten sich der deutsch-französische Luftfahrtkonzern Airbus, die französische Dassault Aviation und das italienische Unternehmen Finmeccanica Alenia Aermacchi auf eine gemeinsame Initiative für ein europäisches Drohnenprogramm. Das Projekt läuft unter dem seltsamen Akronym FEMALE, was für Future European MALE System steht, also künftige europäische Drohne mittlerer Höhe und großer Reichweite.

Die damit verbundenen Hoffnungen von Politik und Armee: Ein solches Programm berücksichtige die Bedürfnisse der Streitkräfte in Europa, bündele die Anstrengungen der europäischen Staaten und könne von Anfang an die Anforderungen erfüllen, um im europäischen Luftraum fliegen zu dürfen. Zudem werde damit garantiert, dass Europa die Souveränität über die erzielten Aufklärungsergebnisse besitzt. Nicht zuletzt würden technische Kompetenz und Arbeitsplätze in Europa erhalten.

Der letzte Punkt dürfte für die Regierungen der drei Länder der entscheidende sein, auch wenn das Verteidigungsministerium das so nicht sagt.

Ziviler Luftraum interessiert Militärs nicht

Aus militärischer Sicht ist nicht sicher, dass das milliardenschwere neue Programm so viel mehr bringen wird als das, was bereits auf dem Markt gekauft werden kann. In zehn Jahren, wenn es diese europäische Drohne dann tatsächlich geben sollte, werden Konkurrenzprodukte wie der amerikanische Reaper oder die israelische Heron TP technisch auf einem ganz anderen Stand sein als die heutigen Varianten.

Die Zulassung für den europäischen Luftraum interessiert Militärs nur nachrangig. Bewaffnete Drohnen werden in Friedenszeiten kaum in Europa herumfliegen, ihr Flug in die Einsatzgebiete lässt sich durchaus mit Sondergenehmigungen lösen.

Das Interesse an einer Zulassung auch für den zivilen Luftraum kommt vielmehr von eben jenen, die auf eine zivile Nutzung dieser Technik hoffen. Aufgaben gäbe es genug: von der Luftüberwachung von Pipelines bis zum Pakettransport. Das wird der Markt der Zukunft. Dazu aber müssen die unbemannten Flugzeuge die Fähigkeit mitbringen, andere Flugzeuge auf Kollisionskurs zu erkennen und ihnen sicher auszuweichen.

Das alles macht klar, was die bewaffnete europäische Aufklärungsdrohne eigentlich ist: Ein Programm zur Industrieförderung in Deutschland, Frankreich und Italien. Davon werden natürlich auch die Streitkräfte der beteiligen Länder profitieren. Aber deren Bedürfnisse sind nicht der entscheidende Grund.

Zumal die Bundeswehr nicht bis 2025 – oder später – warten will, um eine europäische Eigenentwicklung endlich in den Hangars der Luftwaffe zu haben. In nächster Zeit wird Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen entscheiden, ob die Truppe als Zwischenlösung unbemannte Drohnen für Aufklärung und auch Waffeneinsatz kaufen oder leasen wird. Und dafür kommen ohnehin nur wieder die beiden weltweit wichtigsten Lieferanten infrage – USA und Israel.