Für den heutigen Mittwoch hatten die Aktivisten des kapitalismuskritischen Blockupy-Bündnisses breit mobilisiert. Zu den Demonstrationen anlässlich der Eröffnung des kostspieligen Neubaus der Europäischen Zentralbank reisten Protestierende aus ganz Europa an. Etwa 10.000 Menschen beteiligten sich an der Hauptkundgebung am Mittwochnachmittag.  

Doch auch die Polizei war vorbereitet. Sie hatte weit im Voraus aus dem gesamten Bundesgebiet Spezialeinheiten und Wasserwerfer in Frankfurt zusammengezogen und das Gebiet um die EZB weiträumig mit Nato-Draht abgesperrt. Verhindern konnte das die schweren Krawalle nicht. Autos wurden in Brand gesetzt, Steine geworfen und Barrikaden errichtet. Mehrere Menschen wurden verletzt. Es entstand erheblicher Sachschaden.

Den Protestforscher Sebastian Haunss wundert das nicht: "Zu einer Eskalation gehören immer beide Seiten." Die Polizei habe sich im Vorfeld durchaus provokant verhalten und wie man wisse, gelte für Teile der Blockupy-Demonstranten Gewalt gegen Gegenstände als legitime Protestform. "Es hätte mich andersherum eher verwundert, wenn alles ruhig geblieben wäre", sagt der Politikwissenschaftler. 

Randale schadet dem Bündnis

Sein Kollege aus Darmstadt, der Politikwissenschaftler Oliver Nachtwey, zeigte sich dagegen überrascht. Schließlich habe sich das Bündnis im Vorfeld auf ein gewaltfreies Vorgehen geeinigt. "Die Randale wird dem Bündnis und der Wahrnehmung seiner Anliegen eher schaden", sagt er. Allgemein, so Nachtwey, scheitere Blockupy daran, jenseits des linken bis linksradikalen Spektrums zu mobilisieren.  

Die bürgerliche Mitte, die sich zum Beispiel um den krisenbedingten Wertverlust ihrer Lebensversicherungen sorge, erreiche das Bündnis nicht. Mit Fernsehbildern von brennenden Autos und dem brachial-linksradikalen Jargon werde diese Gruppe vielmehr vergrault.

Damit ist vorläufig offen, ob Blockupy, das 2014 nur mit vereinzelten, kleineren Aktionen in Erscheinung getreten war, nun zu einer stärkeren Bewegung wird oder ob sich die Proteste schnell wieder im Sande verlaufen.  

Es begann 2012

Das Blockupy-Bündnis entstand 2012 und vereinte sich unter dem Motto "besetzen, blockieren, demonstrieren". Bei einem bundesweiten Aktionstag folgten im Mai 2012 mehr als 20.000 Menschen dem Aufruf, im "Herzen der Bestie", dem Frankfurter Bankenviertel, gegen die europäische Sparpolitik und die Macht von Großbanken zu protestierten.

Als ein Jahr später etwa 10.000 Anhänger des Bündnisses an gleicher Stelle demonstrierten, stoppte die Polizei den Demonstrationszug gewaltsam. Rund 1.000 Teilnehmer, darunter Journalisten und Politiker, wurden mehrere Stunden eingekesselt. Selbst konservative Tageszeitungen, die OSZE und deutsche Rechtsprofessoren kritisierten daraufhin das unverhältnismäßige Vorgehen der Polizei. Für einige Tage war dem Bündnis bundesweite Aufmerksamkeit sicher.