Mit Tannenzweigen getarnte Kampfpanzer rollen vorwärts, Übungsmunition knallt, Rauch steigt auf. 1.400 Soldaten der Bundeswehr sind Anfang des Jahres in Bergen-Hohne im Einsatz. "Grantiger Löwe" heißt die Großübung, mit der die Panzerbrigade 12 den Angriff trainiert. Solch ein Manöver hätte vor wenigen Wochen noch nach Militärnostalgie geklungen, nach Kaltem Krieg, in dem Panzerschlachten stets ein realistisches Szenario waren. Doch plötzlich sind die Leopard-2-Panzer kein altes Eisen mehr, kein Material für das Heeresmuseum.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat jüngst angekündigt, weniger Leoparden auszumustern als bislang geplant. Konkrete Zahlen nannte sie nicht. Die Obergrenze für Waffensysteme wurde bereits 2011 mit der Bundeswehrreform festgelegt. Laut Großgeräteliste sollte die Truppe 220 Kampfpanzer behalten. Im Kalten Krieg waren es einst bis zu 3.500 Panzer. Wie viel "heavy metal", wie die rollenden Monster in der Truppe genannt werden, künftig im Einsatz sein wird, bleibt offen. Fest steht nur: Es werden mehr sein, als von der Leyens Vorgänger festgelegt hatten.

Die Vergrößerung der Panzertruppe ist eine Reaktion auf den Krieg in der Ukraine – und auf das Verhalten Russlands. Mit Sorge schauen die Nato-Staaten auf die Ukraine. Dort kämpfen sowohl die Streitkräfte der Regierung als auch die Separatisten mit Kampfpanzern gegeneinander. Die Regierung in Moskau soll die Aufständischen mit schweren Waffen und getarnten Elitesoldaten unterstützen.

Kampfpanzer für Europa

Länder wie Estland, Litauen und Polen sorgen sich nun um ihre Sicherheit. Mit ihrer Aufrüstung wollen sie Wladimir Putin davon abschrecken, weitere ehemalige Gebiete der Sowjetunion zu destabilisieren. Auch die amerikanische Armee erwägt, wieder Kampfpanzer nach Europa zu verlegen. Und von Deutschland, der führenden Wirtschaftsnation der EU, verlangen die anderen Nato-Staaten, einen realistischen Beitrag zur Abschreckung. Das Militärbündnis weist seiner ursprünglichen Aufgabe, der gemeinsamen Verteidigung, wieder höchste Priorität zu.

Doch momentan wirken die deutschen Streitkräfte nur sehr bedingt verteidigungsbereit. Die Panzerbataillone der Bundeswehr gelten als schlecht ausgestattet: Sie verfügen über zu wenige Fahrzeuge. Und die vorhandenen Leoparden der Bundeswehr sind nicht auf dem neusten Stand der Kriegstechnik. Die Unternehmen Krauss-Maffei-Wegmann und Rheinmetall bieten seit Jahren neue Systeme an, die auch für den Einsatz gegen sogenannte asymmetrische Kräfte geeignet sein sollen – also gegen Aufständische und Terroristen. Katar beschafft momentan solche Panzer aus Deutschland, Saudi-Arabien wollte mindestens 270 Exemplare kaufen. Der Bundeswehr fehlen dafür bislang die Mittel.

Auch für Radpanzer fehlt das Geld. 272 Boxer-Panzer hat die Truppe bislang bestellen dürfen, 131 weitere dieser Militärfahrzeuge wurden als Bedarf angemeldet. Doch selbst wenn diese in einigen Jahren bei den Einheiten eingetroffen sein werden, fehlen immer noch zahlreiche Boxer: Die sechs Panzerbataillone der Bundeswehr werden dann lediglich zu 75 Prozent ausgestattet sein. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sprach vor der Bundespressekonferenz in Berlin vom "dynamischen Verfügbarkeitsmanagement", der Begriff sei "in der Praxis genauso schlimm, wie er sich anhört". Die Bataillone müssten sich gegenseitig mit Gerät aushelfen. Panzer werden dafür quer durch die Bundesrepublik gekarrt.