"Breite statt Tiefe", so wird die Bundeswehr seit Jahren aufgestellt: Sie soll möglichst über alle Fähigkeiten verfügen. Weil das Geld aber dafür nicht reicht, gibt es von allem ein wenig – aber selten genug. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dachte am Wochenende laut darüber nach, den Wehretat ab 2017 wieder zu erhöhen, angesichts der angespannten Weltlage. Experten monieren seit Langem, dass die Bundeswehr kaputt gespart werde. Auch der Wehrbeauftragte rügte in seinem jüngst vorgestellten Jahresbericht erneut den Zustand des Materials. Bei den Streitkräften besteht tatsächlich ein erheblicher Modernisierungsbedarf.

In den vergangenen Jahren konzentrierte sich die Beschaffung vor allem auf die Afghanistanmission. Nun, wo der Kampfeinsatz dort vorbei ist, gilt die Ausstattung für den Hindukusch als ausreichend. Doch für die Landesverteidigung und andere Aufgaben jenseits von Afghanistan fehlt es der Truppe an Material.

Leopard-Kampfpanzer waren dort nie im Einsatz. Als immer mehr deutsche Soldaten starben und die Gefechte härter wurden, forderten Militärs und Politiker, den Leopard nach Afghanistan zu bringen. Doch dazu kam es nie: Der Panzer sei zu schwer für die Region, hieß es. Kanadier und Niederländer setzten in Südafghanistan allerdings dennoch Leoparden ein. Kanada lieh sich dafür die Panzer in der Bundesrepublik. Andere Staaten wie Singapur und Chile kauften der Bundeswehr ausgemusterte Leoparden ab. Nun könnte der Truppe sogar Material fehlen, um von der Leyens Pläne umzusetzen.

Grüne warnen vor verfrühten Schlussfolgerungen

In der großen Koalition stießen die Gedankenspiele der Ministerin auf Zustimmung. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Hans-Peter Bartels von der SPD, fordert seit Langem, dass Deutschland seinen Teil zu einer glaubhaften Bündnisverteidigung beiträgt. Er nannte einen Bestand von 300 Kampfpanzern in der Truppe als realistische Größe. Kritik kam hingegen von den Grünen. Agnieszka Brugger, sicherheitspolitische Sprecherin der Fraktion, kritisierte die Panzerpläne von der Leyens als "vorschnelle Schlussfolgerung".

Welches Großgerät die Bundeswehr künftig unterhalten soll, steht noch nicht im Detail fest. Erst mit dem neuen Weißbuch, der Leitlinie für die Sicherheitspolitik Deutschlands, die momentan erstellt wird, legt die Bundesregierung überhaupt fest, welche Aufgaben die Streitkräfte in den nächsten Jahren haben sollen. Mehr Panzer zu behalten, kann durchaus Sinn machen – wenn das mit den anderen Nato-Partnern abgestimmt wird.

Sollten nun aber mehrere Staaten ihre knappen Mittel für Kampfpanzer ausgeben, freut das lediglich die Hersteller. Die Fähigkeitslücken in anderen Bereichen würden dann noch größer, weil Geld für andere Projekte fehlte. Langfristig macht nur eine europäische Armee Sinn. Bislang scheitert eine gemeinsame Truppe an nationalen Egoismen. Da helfen dann auch keine zusätzlichen Kampfpanzer für die Bundeswehr, um die europäische Verteidigung zu verbessern.