Szenen wie am Tag des Mordanschlags auf die Redaktion der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo will die Polizei in Deutschland nicht erleben: Bereitschaftspolizisten, die sich in ihrem Streifenwagen panisch im Rückwärtsgang in Sicherheit bringen, weil von vorn die schwer bewaffneten Täter anrücken.

Dass die Polizeien von Bund und Ländern sich stärker auf terroristische Gewalttäter einstellen müssen, ist klar. Die Sicherheitsbehörden des Bundes sollen deshalb von 2016 bis 2019 insgesamt 750 neue Stellen und 328 Millionen Euro zusätzlich erhalten, wie vergangene Woche bekannt wurde. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erwägt zudem, eine neue Anti-Terror-Einheit bei der Bundespolizei aufzubauen. Laut RBB solle die Einheit die Lücken zwischen Bereitschaftspolizei und der Eliteeinheit GSG9 schließen. Im Unterschied zur GSG9 solle sie auch für normale Polizeidienste herangezogen werden.

In den Polizeigewerkschaften stößt dies auf verhaltene Zustimmung. Die Gewerkschaft der Polizei bemängelt zunächst, dass eine völlig neue Einheit entstehen soll. "Ich glaube nicht, dass wir eine besondere Einheit benötigen", sagte ihr Vorsitzender, Oliver Malchow, ZEIT ONLINE. Es gebe mit der GSG9 und den Spezialeinsatzkommandos bereits Kräfte für besondere Terror-Lagen. "Wir brauchen mehr Personal, weil die Abwehr von Terror mit dem Bestandskräften nicht machbar ist", sagte Malchow.

Wichtig sei, nicht die Bundesbehörden aufzurüsten, sondern vor allem die Polizeien der Bundesländer entsprechend auszustatten. "Terrorbekämpfung findet zuvorderst in den Ländern statt." Der Bund müsse die Sachausstattung der Bereitschaftspolizei verbessern, forderte Malchow. Noch immer gehöre die leichte Schutzweste nicht zur Standardausstattung aller im Einsatz befindlichen Polizisten. Sie könne Geschosse bis neun Millimeter abhalten. Einem Beschuss durch Waffen wie der Kalaschnikow halte sie ohnehin nicht stand, kritisierte Malchow. Die Länder müssten im Gegenzug die Personalausstattung verbessern und die Schulung und Qualifizierung der Beamten verbessern.

Die Gewerkschaft der Polizei hatte sich vor Kurzem in einem Brief an die Bundeskanzlerin gewandt, um auf die Ausstattungslücken hinzuweisen. Derzeit sind demnach nur zwölf der 27 Hundertschaften der Bereitschaftspolizei einsatzbereit. Nach den Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre müsse nun nachgebessert werden, heißt es darin. Die GSG9 habe dagegen alles, was sie benötigt, beklagt die Gewerkschaft, auch die Spezialkräfte der Länder seien ausreichend ausgestattet.   

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, mahnte Verbesserungen bei der Ausrüstung an. In einem Anti-Terror-Einsatz etwa Fluchtwege zu besetzen und den Täter zu suchen, sei die Bereitschaftspolizei derzeit nicht in der Lage, sagte er ZEIT ONLINE. Sie müsse "robust ausgestattet" werden. Teil der Verbesserungen könnten auch Langwaffen und weitere gepanzerte Fahrzeuge sein. "Das ist keine Panikmache, sondern nach Paris durchaus realistisch."

Insgesamt gingen die Pläne des Innenministeriums aber in die richtige Richtung. Minister de Maizière handele "klug und vorausschauend".

Laut Spiegel soll die neue Truppe schrittweise auf mehrere Hundertschaften ausgebaut werden. Sie soll neben Kurz- auch Langwaffen und gepanzerte Fahrzeuge erhalten, ihre Schutzwesten müssten auch einem Beschuss aus Sturmgewehren standhalten.