Dem sächsischen CDU-Landtagsabgeordneten Sebastian Fischer liegt Pegida am Herzen. Nur nach der letzten Kundgebung war der 33-Jährige, geboren in Oelsnitz im Vogtland, ein wenig enttäuscht. Am Montagabend twitterte er: "Pegida-Vorsänger muss Deutschlandlied ablesen. Ist jetzt nicht euer Ernst?! #Nation #Vaterland #Deutschland".

Dass der Politiker aus Großenhain bei Dresden mit der Anti-Islam-Bewegung noch mehr im Sinn hat, wurde bald darauf klar. Fischer möchte, wie er - ebenfalls im Kurznachrichtendienst Twitter - bestätigte, auf einer der nächsten Pegida-Kundgebungen als Redner auftreten.

Er strebe nach einem Dialog mit Pegida, erklärte er. Und auf die Nachfrage "Dialog, im Hinterzimmer? Oder würden Sie auch auf einer Pegida-Kundgebung sprechen?" antwortete er: "Habe angeboten, öffentlich zu sprechen und stehe dazu. Pegida bekommt aber wohl gerade kalte Füße! Wäre schade drum."

Aus seiner Sicht ist diese Annäherung nur konsequent. Denn Sebastian Fischer bedient in der Sachsen-Union - ohnehin der vermutlich rechteste Landesverband der CDU - deren rechten Rand, sendet auch Signale über diesen hinaus. Er will - anders als die Bundespartei - eine Zusammenarbeit mit der AfD, erklärte dazu vor dem letzten CDU-Bundesparteitag in Köln: "AfD nicht verteufeln, sondern als möglichen Partner ernst nehmen! Das ist Signal aus Sachsen-CDU an den CDU-Parteitag." Im Landesverband ist er mit dieser Position nicht völlig isoliert.

In dieses Bild passt, wenn Fischer in der ultrarechten Zeitung Junge Freiheit Seit' an Seit' mit einem AfD-Politiker die Räumung eines Protestcamps von Flüchtlingen vor der Dresdner Semperoper lobt. Nach der Landtagswahl in Sachsen Ende August wünschte sich der CDU-Landtagsabgeordnete eine "gute und sachliche Zusammenarbeit" mit der AfD. Und als sich kürzlich der CDU-Landrat von Meißen mit der NPD traf und anschließend neue Pläne für eine Asylunterkunft in einem ehemaligen Gefängnis verkündete, wurde das von Fischer begrüßt. Weiteres Beispiel einer längst nicht vollständigen Aufzählung: Zum Thema "Pegida & Großenhain" organisierte der CDU-Politiker eine Diskussionsrunde - und wählte dafür das Motto: "Lügenpresse, Volksverräter, Asylbetrüger".

Für die Sachsen-CDU wäre der Auftritt eines ihrer Landespolitiker auf einer Pegida-Kundgebung eine neue Steigerung im ohnehin recht pfleglichen Umgang mit der Bewegung. Zwar hat der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) die Anführer von Pegida - noch vor deren Spaltung - zum Gespräch getroffen. Auch suchen führende Landes- und Bundespolitiker der CDU über Mittelsmänner den Kontakt zu den Anhängern von Pegida. Auf einer Pegida-Kundgebung in deren Hochburg Dresden aber hat noch kein CDU-Politiker gesprochen - und selbst der der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland verstand sich bei Pegida in Dresden nur als Zaungast.

Entsprechend empört ist die Opposition im sächsischen Landtag. "Fischer lässt alle Hemmungen fallen", sagte der Landes- und Fraktionschef der Linkspartei, Rico Gebhardt, dem Tagesspiegel. Fischers Aktivitäten, nicht nur in Sachen Pegida, "passen aber in das Bild einer rechtsoffenen, sächsischen CDU", der die "Nöte von ,besorgten Bürgern' wichtiger sind als der Schutz derer, die sich von denen bedroht fühlen müssen." Gebhardt forderte: "Diesen Amoklauf ihres sächsischen Landesverbandes muss die Bundes-CDU im Interesse ihrer Glaubwürdigkeit stoppen."

Ähnlich kritisch äußern sich die Grünen: Deren Parlamentsgeschäftsführer Valentin Lippmann sagte: "Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich versucht mit den Dialogforen der Staatsregierung, Pegida den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Fischer wertet Pegida hingegen auf, indem der dort um einen Redebeitrag buhlt. Will er dort den Volkstribun geben?" Lippmann nennt Fischer einen "nach rechts blinkenden" Politiker und fragt: "Wie viel Hinterland hat er in der sächsischen CDU? Wenn sächsische Bundes- und Landtagsabgeordnete im Schulterschluss mit dem sächsischen Innenminister Markus Ulbig Pegida-Leuten ein Gespräch mit der Bundesregierung organisieren, ist das eine offene Frage."