Der zurückgetretene Ortsbürgermeister von Tröglitz in Sachsen-Anhalt sieht seinen Ort nicht als Hort für NPD-Sympathisanten. Die NPD karre vielmehr Unterstützer zu Demonstrationen in den Ort, Tröglitzer seien kaum darunter, sagte der ehemalige Amtsinhaber Markus Nierth der Deutschen Presse-Agentur. Nierth war zurückgetreten, nachdem Rechtsradikale eine Demonstration vor seinem Haus planten.

Er hatte sich als Bürgermeister dafür eingesetzt, in dem Ort auch Asylbewerber unterzubringen. Daraufhin hatten NPD-Anhänger wöchentlich dagegen demonstriert. Die NPD meldete auch eine Kundgebung vor seinem Privathaus an, zu der es dann allerdings nach dem Rücktritt nicht mehr kam.

Nierths hatte seinen Rücktritt damit begründet, dass er seiner Familie keine schwerbewaffneten Polizisten und fremdenfeindliche Hassparolen vor ihren Fenstern zumuten wollte. Dazu wäre es möglicherweise gekommen, wenn die Demonstration an seinem Haus vorbeigeführt hätte. 

Er sagte, er sei nicht aus Angst zurückgetreten. "Mir fehlte der gesellschaftliche Mindestschutz. Darüber bin ich enttäuscht", erläuterte Nierth. "Ich fühle mich als alleinrotierender Motor, an dessen Seite eine Handvoll Leute sind, die mitziehen." Auch von den politischen Parteien fühle er sich alleingelassen. Der Landkreis habe eine geplante Demonstration vor seinem Wohnhaus nicht abgelehnt, sagte er.    

Nicht mehr notwendig

Nierth sagte im Gespräch mit der dpa, um weiterzumachen, hätte er die Sicherheit gebraucht, dass sein privates Wohnhaus geschützt wird. Hätte er diese Sicherheit gehabt, wäre er nicht zurückgetreten. Einen Weg zurück ins Amt sieht Nierth bislang nicht.

Nachdem er als Bürgermeister zurückgetreten war, änderte die NPD die Demonstrationsroute. Eine Kundgebung vor dem Wohnhaus des Ex-Kommunalpolitikers erschien den Organisatoren nicht mehr notwendig.

Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU) bedauerte den Rücktritt des Ortsbürgermeisters, bekräftigte aber, dass der Landkreis durchgesetzt habe, dass die Rechtsextremen nicht vor das Haus des Lokalpolitikers ziehen. Doch Nierth sei bereits am Abend zuvor zurückgetreten. Der Minister sagte, man dürfe der NPD nicht nachgeben.

Der Rücktritt ist aus Sicht der Amadeu Antonio Stiftung eine "Katastrophe für die lokale Demokratie". Der Fall aus dem Burgenlandkreis zeige, dass es vielerorts noch immer keine tragende Zivilgesellschaft gebe – allen Anti-Pegida-Aktionen und ähnlichen Erfolgen der jüngsten Zeit zum Trotz, sagte die Stiftungs-Vorstandsvorsitzende Anetta Kahane. "Es zeigt sich, wie dünn die Decke ist."