Deutschland will eine Weißhelm-Truppe zur Seuchenbekämpfung notfalls im Alleingang aufbauen. Eingreifteams aus Ärzten, Technikern und Spezialisten sollen auch dann eingerichtet werden, wenn sich andere Nationen zunächst nicht beteiligen, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller der Bild-Zeitung. "Wir machen den Vorreiter, hoffen aber, dass sich diese Idee wenigstens auf europäischer Ebene durchsetzt."

Die Idee für eine Weißhelm-Truppe hatte unter anderem Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) geäußert, nachdem im vergangenen Jahr die Ebola-Seuche in mehreren westafrikanischen Staaten außer Kontrolle geraten war. "Wir werden bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eine Kernmannschaft von Weißhelmen aufstellen, die in drei bis fünf Tagen überall auf der Welt im Einsatz sein kann", sagte Müller.  

Zudem kündigte Müller ein Soforthilfeprogramm für die betroffenen Staaten an: "Wir werden den Aufbau der Gesundheitssysteme und einer besseren Krisenreaktion in Afrika mit 200 Millionen Euro fördern." Die drei von der Epidemie am stärksten betroffenen Länder Liberia, Sierra Leona und Guinea seien wirtschaftlich um fünf bis zehn Jahre zurückgeworfen worden. "Auch wenn sich die Scheinwerfer der Welt von Westafrika abwenden, dürfen wir die Region nicht allein lassen."

Montgomery kritisiert Krisenmanagement

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery kritisierte das Krisenmanagement zu Beginn der Ebola-Seuche. Regierung, Wissenschaft und Hilfsorganisationen hätten die Dramatik unterschätzt, sagte er der Rheinischen Post. "Diesen Vorwurf mache ich aber nicht der Regierung allein, sondern uns allen. 

Als die Krise in ihrer ganzen Dimension erkannt geworden sei, habe die Regierung gut reagiert. Montgomery forderte eine "weltweite Initiative", um die Bevölkerung in den betroffenen Regionen zu impfen. "Solche Landstriche entvölkernde Krankheiten lassen sich nur mit Impfungen beseitigen."

World Vision fordert mehr Engagement

Die Hilfsorganisation World Vision forderte die Bundesregierung auf, sich stärker für den Ausbau der Gesundheitssysteme in Afrika zu engagieren. Zwar gebe es Erfolge im Kampf gegen Ebola, doch zahlreiche Länder seien nach wie vor nicht in der Lage, die gesundheitliche Grundversorgung ihrer Bevölkerung zu gewährleisten.  

In Staaten wie Sierra Leone wird World Vision zufolge schon seit Jahren massiv an der gesundheitlichen Grundversorgung gespart. Auch deshalb habe sich die Ebola-Epidemie so verheerend ausgewirkt. "Jedes Jahr sterben weltweit immer noch mehr als sechs Millionen Kinder und täglich etwa 800 Schwangere und junge Mütter zum Teil an leicht behandelbaren Krankheiten oder deshalb, weil die Versorgung rund um die Geburt miserabel ist", sagte Marwin Meier, Gesundheitsexperte von World Vision.

Die Ebola-Epidemie in Westafrika hatte vor eineinhalb Jahren begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind bereits mehr als 10.000 Menschen daran gestorben, 25.000 haben sich angesteckt.