Die Entwicklung des digitalen Fortschritts verläuft exponentiell. Wir müssen endlich Fahrt aufnehmen, um nicht den Anschluss zu verpassen. So bietet die Digitalisierung große Chancen im Gesundheitsbereich. E-Health-Systeme ermöglichen zum Beispiel, Patientendaten weltweit von den besten Ärzten auswerten zu lassen, um eine zusätzliche Meinung zu erhalten. Mehrfachuntersuchungen und Wiederholungen teurer Untersuchungen würden obsolet. Operationen könnten unter Verwendung von 3-D-Visualisierung der zu operierenden Körperteile oder Organe von Teams vorgenommen werden, die ortsunabhängig je nach Lage des Falles unter Hinzuziehung von spezieller Expertise zusammengestellt würden. Spezielle Computerprogramme könnten Röntgenbilder weit exakter auf Krankheitsanzeichen hin untersuchen als das menschliche Auge.

Sinnvoll wäre es auch, die dezentrale und unsichere Speicherung von Patientendaten auf der Gesundheitskarte durch eine elektronische Patientenakte zu ersetzen. Sie würde die gesundheitsrelevanten Daten jedes Bürgers in dessen Eigentum zusammenführen. Der Bürger hätte die alleinige Zugriffskompetenz bei höchsten Sicherheitsstandards. Bei schweren Unfällen könnten von ihm freigegebene Notfalldaten schon im Krankenwagen abgerufen werden, was unter Umständen Menschenleben rettet: Bevor der Patient im Krankenhaus eintrifft, weiß das medizinische Personal bereits, was zu tun ist, welche Medikamentenunverträglichkeiten und welche Vorerkrankungen bestehen.

Versicherungen dürfen die Daten nicht einsehen

Entscheidend ist aus Gründen der Datensicherheit, dass der eigenverantwortliche Patient bei seiner elektronischen Patientenakte stets die volle Kontrolle über seine gesamten Gesundheitsdaten behält. Nur er entscheidet darüber, wer in welchem Umfang Zugriff auf seine Daten hat.

Alle Gesundheitsdaten müssen von allen behandelnden Ärzten auf einem Server bereitgestellt werden; sie dürfen auch nur dort gespeichert werden. Jeder Log-in und jeder Datenexport darf nur mit persönlicher Identifikation des Arztes, der Krankenschwester oder des Pflegers möglich und muss für den betroffenen Patienten mit einem Klick sichtbar sein. Der Patient hätte sodann, auch nachdem er die Freigabe zur Dateneinsicht erteilt hat – im Gegensatz zur klassischen Krankenakte – die Kontrolle darüber, wer tatsächlich Einsicht genommen hat. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass diese Daten nicht dem Zugriff der Krankenkassen und Versicherungen ausgesetzt werden. Denn dies birgt die Gefahr, dass sie ihre Tarifstrukturen gezielt auf der Grundlage dieser Daten ausrichten.

Um vom digitalen Fortschritt zu profitieren, brauchen wir neben den technischen Voraussetzungen schnellstens eine Politik, die die notwendigen politischen und rechtlichen Weichenstellungen vornimmt. Dann kann jeder an der Entwicklung teilhaben und wird gleichzeitig effektiv vor Missbrauch geschützt. Denn die digitale Entwicklung darf die persönliche Freiheit des Einzelnen nicht einschränken – sie muss ihr dienen.

Dafür brauchen wir einen Mentalitätswechsel bei der weitverbreiteten Skepsis gegenüber technischen Neuerungen in Gesellschaft und Politik: Wir dürfen die Digitalisierung nicht zuerst als Risiko, sondern müssen sie vor allem als Chance für den Menschen sehen. Chance auf mehr Freiheit, auf effektiveren Datenschutz, für weniger Bürokratie, auf eine Optimierung aller möglichen Lebensbereiche.

Deshalb kommt es darauf an, dass wir diese Entwicklungen für alle transparent machen und dass Entscheider, auch Politiker, sich bereits heute mit den Fragen von morgen beschäftigen, damit wir übermorgen auch alle Chancen nutzen können. Gerade die Chance, mit neuen Technologien die informationelle Selbstbestimmung der Bürger sicherzustellen.