Es sollte ein großer Tag für Pegida werden: Bis zu 30.000 Teilnehmer hatte die antiislamische Bewegung beim Auftritt des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders in Dresden erwartet. Tatsächlich standen einige Tausend Menschen vor der Bühne, als Wilders am späten Nachmittag seine Rede begann – die dann nur knapp 20 Minuten dauerte.

Während die Menge "Merkel muss weg" und "Lügenpresse" skandierte, richtete Wilders das Wort direkt an die Bundeskanzlerin. Sie müsse sehen, dass die Mehrheit ihres Volkes der Meinung sei, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre. "Die meisten unserer Politiker, Medien- und Kirchenvertreter verschließen die Augen vor der Gefahr der Islamisierung", sagte Wilders. Zwar seien nicht alle Muslime Terroristen, doch "die meisten Terroristen sind Muslime", sagte der Niederländer.

Weiter plädierte Wilders für einen Austritt aus dem Schengenraum: "Natürlich sollen Flüchtlinge in Sicherheit gebracht werden. Aber sie sollten in ihrer eigenen Region in Sicherheit gebracht werden. Nicht hier, nicht in Europa." Stattdessen forderte er die Einführung "unserer eigenen Grenzkontrollen".

Nach Wilders' kurzem Auftritt trat Tatjana Festerling auf die Bühne. Während die Dresdner Oberbürgermeisterkandidatin von Pegida das Wort ergriff, verließen viele Demonstranten das Gelände.

Gelände abgesperrt, Demonstrationen in Hörweite verboten

Wilders' Auftritt hat in Dresden für breiten Protest gesorgt: An einem Sternlauf unter der Motto "Vielfalt statt Einfalt" beteiligten sich am Nachmittag neben Linken, SPD und Grünen unter anderem auch Studenten- und Schülerinitiativen sowie der Ausländerrat. Auch die Grünen-Bundesvorsitzenden Simone Peter und Cem Özdemir waren dabei. Parteien, Verbände und zahlreiche Initiativen hatten zu Gegendemonstrationen aufgerufen. Das Aktionsbündnis Dresden nazifrei kündigte Blockaden an. Laut Polizei, die mit rund 1.000 Beamten im Einsatz war, verliefen sämtliche Kundgebungen friedlich.

Das Gelände, auf dem sich die Pegida-Demonstranten versammelten, war von der Polizei weiträumig abgesperrt worden. Zusätzlich wurde es vom Verwaltungsgericht Dresden untersagt, gegen Wilders' Auftritt in Sicht- und Hörweite zu protestieren. Die Richter hatten wenige Stunden vor der Kundgebung einen Eilantrag des Bündnisses Dresden Nazifrei abgelehnt, weil sie ausreichend Anhaltspunkte dafür sahen, dass ein Ziel der Gegenveranstaltung darin bestehe, die Demonstration von Pegida zu verhindern. Auch Proteste in unmittelbarer Nachbarschaft zu Pegida wurden untersagt. Dies hatte die Stadt Dresden verboten.

Dresden hat wegen Pegida ein dramatisches Imageproblem

Mehrere Kandidaten zur Dresdner Oberbürgermeisterwahl hatten die Einladung des Rechtspopulisten zuvor kritisiert. "Wer unter der Fahne von Geert Wilders mitläuft, hat eine Toleranzgrenze überschritten", sagte die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD). Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) sagte, mit Wilders habe Pegida einen Menschen eingeladen, "der Hass in sich trägt, der spaltet". 

Dirk Hilbert (FDP), der nach dem Rückzug von Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) derzeit als Erster Bürgermeister die Amtsgeschäfte führt, betonte, Dresden habe durch Pegida "ein dramatisches Imageproblem". Zugleich fügte er hinzu: "Ausländerfeinde haben in unserer Stadt keinen Platz."

Ulbig, Stange und Hilbert treten bei der Oberbürgermeisterwahl Anfang Juni an. Alle drei Politiker betonten, jeder Bürger habe ein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und auf Demonstrationen. Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass seien aber klar zu verurteilen. Ulbig warnte vor volksverhetzenden Äußerungen auf der Pegida-Kundgebung mit Wilders. Die Behörden würden ganz genau registrieren, wenn solche Straftaten verübt werden.

In den vergangenen Monaten war die Zahl der Pegida-Demonstranten rückläufig. Am kommenden Montag wollen die Islamkritiker ihren sogenannten Abendspaziergang aussetzen – aus organisatorischen Gründen, wie es hieß.