Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat einen Zusammenhang zwischen dem Brandanschlag von Tröglitz und den Verbrechen der Nationalsozialisten hergestellt. Es gelte, die Stimme zu erheben, "wenn die Brandstifter von heute dem Geist der Mordbrenner von damals folgen und geplante Unterkünfte für Flüchtlinge und Asylbewerber in Brand stecken", sagte der Linken-Politiker während eines Festakts in Weimar zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. "Statt zu streiten, ob Tröglitz überall sein könnte, gilt es jetzt zu verhindern, dass es ein weiteres Tröglitz gibt."

Ramelow verlangte einen "Ruck" gegen Fremdenhass und einen "Aufstand der Anständigen". Menschenfeindliche Taten wie der Anschlag in Tröglitz oder Angriffe auf Gedenkstätten für KZ-Häftlinge in Thüringen erforderten, dass "wir Demokraten noch mehr und überall Gesicht zeigen". Man solle alle Menschen willkommen heißen, die aufgrund von Krieg und Verfolgung nach Deutschland kämen. Dies sei humanitäre Pflicht und gebiete die christliche Nächstenliebe. Zudem lobte Ramelow das Engagement der Zivilgesellschaft in seinem Bundesland.

Im Deutschen Nationaltheater in Weimar gedachten weitere führende Politiker sowie KZ-Überlebende und ihre Angehörigen der Gräueltaten vor 70 Jahren. Der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz äußerte sich auch zu Fremdenfeindlichkeit: Antisemitismus, Rassismus, Ultranationalismus und Intoleranz seien "Dämonen, die wir in Europa für überwunden hielten und die doch immer wieder jeden Tag in dem Europa von heute ihre hässliche Fratze erheben". Dagegen einzuschreiten, sei tagtägliche Aufgabe der nachgeborenen Generationen, sagte der SPD-Politiker.

Der Buchenwald-Überlebende Bertrand Herz appellierte an die Jugend Europas, Widerstand zu leisten und gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass entschlossen vorzugehen. 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers müssten die noch lebenden Häftlinge feststellen, dass die Unterdrückung des Menschen durch Menschen noch nicht vorbei sei, sagte Herz. "Wir wollen uns dem nicht unterwerfen. Solange wir noch die Kraft haben, werden wir dagegen vorgehen." Der 84-jährige Franzose ist Präsident des internationalen Häftlingskomitees von Buchenwald und Mittelbau-Dora.

"Alte und neue Nazis"

Der Superintendent des Kirchenkreises, Henrich Herbst, sagte während eines Gottesdienstes in der Weimarer Stadtkirche, angesichts des Lagers Buchenwald vor den Toren der Stadt hätten viele evangelische Christen nicht mutig bekannt und benannt, was mitten im Land und auch ganz in der Nähe geschehen sei. Den befreiten Häftlingen sei es im April 1945 schwergefallen, an einen Neubeginn zu glauben. Wenn in der Gegenwart alte und neue Nazis weitermachten wie bisher, Flüchtlinge angefeindet und Fremde angegriffen würden, sei es weiterhin schwer, den neuen Anfang zu sehen.

Am Samstag hatten 80 Buchenwald-Überlebende um 15.15 Uhr, dem Zeitpunkt der Befreiung des Lagers vor 70 Jahren, ihrer toten Mithäftlinge gedacht. Am 11. April 1945 hatten US-Truppen das KZ auf dem Ettersberg bei Weimar mit 21.000 Überlebenden erreicht. Bis Ende April wurden die Lager in Dachau, Bergen-Belsen, Sachsenhausen und Ravensbrück durch die Alliierten befreit. In das KZ Buchenwald und seine 136 Außenlager hatten die Nazis seit 1937 rund 250.000 Menschen aus ganz Europa verschleppt. Etwa 56.000 von ihnen starben an Hunger, Kälte und Krankheiten oder wurden systematisch ermordet.