Die Co-Vorsitzende der AfD, Frauke Petry, hat Parteigründer Bernd Lucke ein Ultimatum gesetzt. "Ich bitte ihn, umgehend und heute noch auszuschließen, dass die Neugründung einer Partei oder Vereinigung geplant ist", sagte Petry. Für sie sei es unvorstellbar, dass Lucke die Partei beschädigen wolle.

Zuvor war bekannt geworden, dass Lucke im Machtkampf in der AfD die Entscheidung sucht: Der Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland will nach Informationen aus Parteikreisen diese Woche mit einem Weckruf 2015 an die Mitglieder versuchen, den rechten Flügel der Partei zu isolieren. Sollte ihm dies nicht gelingen, will Lucke nach dem Bundesparteitag Mitte Juni in Kassel gemeinsam mit anderen Vertretern des liberal-bürgerlichen Flügels aus der AfD austreten.

Weckruf 2015 ist nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zugleich der Name der Interessengemeinschaft, die bereits als Verein gegründet worden sei. Neben Lucke wollten etliche Europaabgeordnete, Landesvorsitzende und andere Spitzenfunktionäre aus dem gemäßigten Lager der AfD in die neue Partei eintreten. Die Gründer erwarten zudem den Beitritt von mehreren Tausend AfD-Mitgliedern, die damit ein Zeichen gegen rechtsideologische Tendenzen in ihrer Partei setzen sollen. Lucke hat angekündigt, Details am Dienstag in Straßburg bekannt zu geben. Doch zunächst wollen Lucke und seine Mitstreiter ausloten, wie groß ihr Rückhalt in der AfD noch ist.

Den größten Streit hat Lucke zur Zeit mit Petry. Lucke soll sie für diesen Montag zu einer Aussprache in Frankfurt am Main eingeladen haben. Das Treffen kam aber dem Vernehmen nach nicht zustande, weil Petry den Vorsitzenden des AfD-Landesverbandes in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, dabei haben wollte. Pretzell zählt zu Luckes größten Kritikern. "Frauke Petry wird lernen müssen, dass sie mich nicht gleichzeitig angreifen und zu vertrauensvoller Zusammenarbeit auffordern kann", sagte Lucke der Neuen Osnabrücker Zeitung. Zuvor hatte Petry gesagt, Lucke habe sich "politisch in eine Sackgasse manövriert". Niemand sei unersetzlich, Lucke fehle es an Kompromissbereitschaft.

Dem Lager der Lucke-Anhänger gehören unter anderem der Vorsitzende des AfD-Landesverbandes in Baden-Württemberg, Bernd Kölmel, und der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, an.

Der Ex-BDI-Chef hatte mit Äußerungen im Spiegel den Streit am Wochenende noch angeheizt. "Wir müssen die Partei von diesen Elementen säubern", hatte er in Bezug auf den rechten Flügel gesagt. Einen Kompromiss mit dem nationalkonservativen Lager um Petry und Gauland sieht Henkel als unmöglich an: "Tausende Mitglieder leiden unter diesen Leuten. Sie sagen: Bitte, vertragt euch. Aber sie begreifen nicht, dass das nicht geht." 

Henkel war im April als stellvertretender AfD-Vorsitzender zurückgetreten. Er begründete das mit Versuchen von "Rechtsideologen", die Partei zu übernehmen.

Um in der möglichen neuen Partei Weckruf eine Unterwanderung durch rechtsideologische AfD-Mitglieder zu verhindern, will der Vereinsvorstand nach FAZ-Informationen von seinem Recht Gebrauch machen, Mitgliedsanträge abzulehnen. Möglicherweise sollten Antragsteller für eine Probephase zunächst nur als Fördermitglieder aufgenommen werden.