Der Gründer der AfD, Bernd Lucke, hat ausgeschlossen, weiterhin mit der Co-Vorsitzenden Frauke Petry zusammenzuarbeiten. Ihr gehe es nur darum, "ihren persönlichen Ehrgeiz zu befriedigen". Aus diesem Grund könne er sich nicht vorstellen, nach dem Bundesparteitag in drei Wochen mit Petry gemeinsam im AfD-Vorstand zu arbeiten.

Petry schloss dies ebenfalls aus. "Ich hätte gerne noch vor dem Parteitag eine Klärung", sagte sie. Dass Lucke den Verein Weckruf 2015 gegründet habe, habe der Partei stark geschadet. Diese Meinung teilt auch der AfD-Bundesvorstand. Er missbilligte Luckes Initiative mehrheitlich. Lediglich Lucke und ein weiteres Mitglied des nach mehreren Rücktritten auf sieben Mitglieder geschrumpften Gremiums votierte dagegen.

Die Gründer des Vereins Weckruf 2015, darunter Lucke, wollen damit eine Spaltung der Partei und das Erstarken national-konservativer Kräfte in der AfD verhindern. Beobachter vermuten, dass Lucke gemeinsam mit anderen Vertretern des liberal-bürgerlichen Flügels aus der Partei austreten werde, wenn ihm das nach dem Parteitag im Juni in Kassel nicht gelingen sollte. Lucke will sich dort zum Vorsitzenden wählen lassen. Petry hatte ihre Bereitschaft erklärt, ebenfalls für einen der Vorsitzenden-Posten zu kandidieren. 


Die Satzung des Weckrufs ähnelt der der AfD, mehrfach ist dort von einer Partei die Rede. Neben Lucke gehören bereits mehrere Europaabgeordnete, Landesvorsitzende und andere Spitzenfunktionäre aus dem gemäßigten Lager der AfD dazu. Auf der Website des Weckruf 2015 sind derzeit etwa 50 Mitunterzeichner ausgewiesen. Nach Informationen aus Parteikreisen sollen binnen zwölf Stunden mehr als 1.000 AfD-Mitglieder dem Aufruf zum Beitritt gefolgt sein.

Konservative Parteimitglieder hatten mit Kritik und Spott reagiert. Petry sagte, Weckruf 2015 sei nicht geeignet, die Flügel zu vereinen und verunsichere die Mitglieder, Brandenburgs AfD-Landeschef Alexander Gauland nannte die Initiative ein "innerparteiliches Kampfinstrument" und der Co-Vorsitzende Konrad Adam hatte der Bild-Zeitung gesagt, ihn erinnere der Name Weckruf 2015"an die Zeugen Jehovas oder an die Heilsarmee".

Der Parteivorstand beriet erstmals auch einen Vergleichsvorschlag des Bundesschiedsgerichts vom Mittwoch, das dem Vorstand angeraten hatte, über die im Januar in Bremen beschlossene Parteisatzung erneut abstimmen zu lassen, um die Entscheidung rechtssicher zu machen. Die Klage vor dem Gericht gegen den Bremer Satzungsbeschluss war aus der AfD Niedersachsen gekommen.  

Angesichts der innerparteilichen Spannungen ist aber die für einen Satzungsbeschluss notwendige  Zweidrittelmehrheit derzeit alles andere als sicher. Käme die Satzung in Kassel nicht durch, fiele die Partei auf ihre vorherige, die sogenannte Berliner Satzung zurück. Um das zu verhindern, beschloss der Bundesvorstand nach den Worten von Luckes Co-Vorsitzendem Konrad Adam in seiner Sitzung, dass das Bundesschiedsgericht baldmöglichst Änderungswünsche für seinen Vergleichsvorschlag erhalten soll, um ein für Kassel praktikables Verfahren festzulegen. Nach derzeitigem Stand ist die Satzung selbst nicht Gegenstand von Änderungen.

Die neue Satzung sieht vor, die Führungsspitze zu verschlanken. Bis Dezember soll die Partei zwei Vorsitzende haben. Ab Dezember gilt dann, dass es einen alleinigen Bundeschef gibt.

Derzeit stark verlangsamt ist auch die Bildung des Programms der AfD. Das Bundesschiedsgericht hatte am Wochenende einen Mitgliederentscheid über ihren künftigen Kurs als satzungs- und verfassungswidrig gestoppt. Das Gericht habe dabei angeordnet, dass alle Stimmzettel des Entscheids umgehend vernichtet werden müssten.