In der AfD in Nordrhein-Westfalen ist jetzt der frühere Bundesvorsitzende der Schill-Partei, Markus Wagner, für die Vorbereitung der Aufnahme neuer Mitglieder zuständig. Er löst gemäß einem Beschluss vom Dienstag im Landesvorstand Beate Forner ab, die Schwester von AfD-Bundessprecher Bernd Lucke. Landeschef Marcus Pretzell bestätigte ZEIT ONLINE entsprechende Informationen.

Das bisher für Fundraising zuständige, kooptierte Vorstandsmitglied Ralf Schön gab seine Funktion im Vorstand auf. Schön hatte vor einem Jahr bei der Wahl zum Landesvorsitzenden erfolglos gegen Pretzell kandidiert. 

Mit den Veränderungen vergrößert sich Pretzells Machtbasis im sieben stimmberechtigte Mitglieder zählenden Landesvorstand. Pretzell selbst ist ein innerparteilicher Gegner von Lucke. Auch auf Bundesebene liefert er sich mit der sächsischen Landesvorsitzenden Frauke Petry einen Kampf mit Lucke um die Ausrichtung der Partei. 

Wagner war nach 2004 Vorsitzender der rechtskonservativen Partei Rechtsstaatliche Offensive des früheren Hamburger Senators Ronald Schill gewesen, die sich gegen eine angebliche Islamisierung Deutschlands wehrte und gegen einen EU-Beitritt der Türkei Stimmung machte. In der AfD gilt er als Unterstützer Pretzells. Pretzell erläuterte, Wagner entscheide nicht selbst über die Aufnahme neuer Mitglieder oder  deren Ablehnung. Er beschaffe bei den Kreis- und Bezirksverbänden nur die Informationen über die Antragsteller und bereite sie für den Landesvorstand vor, der allein über die Aufnahme entscheide.

Die von Wagner abgelöste Forner bleibe Mitglied im Landesvorstand ohne Funktion. Bei der Abarbeitung der Aufnahmeanträge sei während ihrer Amtszeit "ein größerer Rückstau entstanden". Sie sei von den Mitgliederangelegenheiten abgezogen worden, weil sie "die einzige war, die eine 400-Euro-Kraft brauchte, um ihre Arbeit zu schaffen", sagte Pretzell. Da das für den Landesverband eine zusätzliche Finanzlast sei, habe man sich bemüht, dass diese Aufgabe eine andere Person übernimmt.

Doch offenbar ist dies nicht allein der Grund für Forners Absetzung: Pretzell sagte, Forner werde wohl "nicht eine Partei stärken, die ihr Bruder gerade abschaffen möchte". Damit bezog er sich auf den Verein Weckruf 2015, den Bundeschef Lucke vor wenigen Tagen mit weiteren Unterstützern gründete. Lucke betont zwar, den Verein nicht zur Konkurrenzpartei aufbauen zu wollen. Beobachter halten jedoch für möglich, dass er mit weiteren Unterstützern die AfD verlässt, sollte er zum nahenden Parteitag Mitte Juni in Kassel nicht als Vorsitzender bestätigt werden.

Für den zweiten Chefposten will seine sächsische Widersacherin Frauke Petry kandidieren, beide bekundeten jedoch bereits, nicht im neuen Vorstand gemeinsam arbeiten zu wollen. Im Interview mit der ZEIT hatte Lucke in Aussicht gestellt, dass statt seiner und Petrys ein alternativer Kandidat die Partei führen könnte.  

Der Rückzug von Pretzells Widersacher Schön hat offenbar auch mit dem Spannungsverhältnis der beiden zu tun. Schön habe seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr "an zwei Sitzungen teilgenommen", sagte Pretzell. Das Fundraising habe jetzt der Landesschatzmeister übernommen.