Einen Tag vor dem geplanten Ende des Lokführerstreiks bei der Deutschen Bahn nimmt die Kritik an der Gewerkschaft GDL stark zu. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann warf GDL-Chef Claus Weselsky vor, er verfolge persönliche Machtinteressen. Das beschädige das Vertrauen in die Gewerkschaften und die Akzeptanz von Arbeitskämpfen, sagte Oppermann der Passauer Neuen Presse. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sieht die Grenze der Verhältnismäßigkeit überschritten, wie er dem Sender SWR2 sagte.

Kauder betonte, es sei "für eine wirtschaftsstarke Nation schon dramatisch, wenn eine wichtige Infrastruktureinrichtung wie die Bahn über eine ganze Woche bestreikt wird". Die Wirtschaft schätzt den Schaden durch den Streik auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

Weselsky sagte der Saarbrücker Zeitung, die Gewerkschaftsmitglieder seien zu neuen Streiks bereit, wenn das Management der Deutschen Bahn kein besseres Angebot mache. Bislang habe die Bahn keine der GDL-Forderungen erfüllt. Der einwöchige Ausstand sei aber ein "absoluter Erfolg", sagte Weselsky. Er wisse, dass viele Menschen sagten, sie hätten genug von den Streiks. Zugleich erfahre er viel Verständnis.

Einer repräsentativen Umfrage des Meinungsinstituts Insa zufolge haben 21 Prozent der Bundesbürger Verständnis für den erneuten Streik. 61 Prozent der 2.169 Befragten empfanden die Zugausfälle als belastend. Grundsätzlich sind nur 58 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Streiks ein geeignetes Mittel in Tarifkonflikten seien.  

Millionen Reisende und Wochenendpendler mussten sich auch am Samstag wegen des bisher längsten Ausstandes bei der Bahn auf erhebliche Schwierigkeiten einstellen. Es gab erneut erhebliche Behinderungen und zahlreiche Zugausfälle. Vor allem in Ostdeutschland, wo die Lokführergewerkschaft GDL stärker organisiert ist, rollen nur etwa 15 Prozent der Züge. Im Westen waren es bis zu zwei Drittel. Auch der S-Bahn-Verkehr war wieder betroffen. Der Ersatzfahrplan laufe stabil, sagte eine Bahnsprecherin in Berlin.

Eine besondere Herausforderung gab es in Hamburg: Dort wurden zum Hafengeburtstag Hunderttausende Menschen erwartet. Zu dem Volksfest sollten deutlich mehr S-Bahn-Züge mit teilweise mehr Waggons als üblich unterwegs sein.

Verzögerung und Ausfälle auch nach Streikende

Die GDL will noch bis Sonntagmorgen um 9 Uhr streiken. Auch danach kann es nach Bahnangaben noch zu Verzögerungen und Zugausfällen kommen, bis der Bahnverkehr wieder störungsfrei verläuft. Der Ausstand hatte im Güterverkehr am Montag und im Personenverkehr am Dienstag begonnen.

Es geht der GDL grundsätzlich um eigene Tarifverträge für das gesamte Zugpersonal. Während die Bahn nur die gleichen Bedingungen wie mit der größeren Konkurrenzgewerkschaft EVG akzeptieren will, drängen die Lokführer auf Abweichungen etwa bei der Arbeitszeit. Knackpunkt war zuletzt die Eingruppierung der Lokrangierführer im Tarifgefüge der Bahn. Die GDL kritisiert, die Bahn wolle diese Kollegen, die etwa für das Koppeln und Entkoppeln von Zügen zuständig sind, niedriger einstufen als Mitarbeiter auf der Strecke. Beim Thema Gehaltserhöhung lagen Bahn und GDL hingegen kaum noch auseinander.