Der Bremer Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD), Christian Schäfer, ist ein liberaler Mensch. Er ist gegen den Mindestlohn, für Einwanderung nach dem Vorbild Kanadas. Und dass letztens die Antifa eine seiner Wahlkampfveranstaltungen störte, findet er eigentlich auch "charmant". Immer wieder waren gleichgeschlechtliche Paare im Publikum aufgestanden und hatten rumgeknutscht. Sie wollten gegen die angebliche Homophobie der Partei demonstrieren. Deren Spitzenkandidat Schäfer aber fühlte sich davon gar nicht angesprochen.

Anders als bei den Wahlen in anderen Bundesländern hat die AfD in Bremen Konkurrenz am rechten äußeren Rand: Die "Bürger in Wut" (BIW). Die Wählervereinigung sitzt bereits seit 2007 in der Bürgerschaft, aktuell mit zwei Abgeordneten. Sie schürt vor allem Ängste: vor organisierter Kriminalität, vor kriminellen Flüchtlingen. Die BIW wollen mehr Polizisten, härtere Strafen, keine Einwanderung. Positionen, mit denen die AfD im letzten Jahr erfolgreich in vier Landtage eingezogen ist. Eigentlich ist es also eng am rechten Rand in Bremen, eigentlich konkurrieren beide um jene wütenden Wähler, die sich von den etablierten Parteien nicht mehr vertreten fühlen. Wenn es schlecht läuft, könnte keine der beiden Parteien die Fünf-Prozent-Hürde erreichen. 

Anstatt zusammenzuarbeiten, versuchen AfD und BIW sich deshalb krampfhaft voneinander abzugrenzen. Schäfer sagt über die BIW: "Das sind Hardcore-Protestwähler, mit denen haben wir nichts zu tun." Und BIW-Chef Jan Timke sagt über die Bremer AfD: "Das ist die FDP 2.0."

Sechs Tage vor der Wahl sitzt Schäfer allein im AfD-Parteibüro und hat die Ruhe weg. Umfragen sehen die AfD in Bremen bei gut fünf Prozent, der Sprung in die Bürgerschaft könnte gelingen. Draußen plakatieren sechs Parteifreunde aus Sachsen die Stadt mit seinem Gesicht – der Bremer Landesverband hat einfach zu wenig Mitglieder –, den nächsten Wahlkampftermin hat Schäfer erst zwei Tage später, dann kommt der Parteivorsitzende Bernd Lucke. Im Straßenwahlkampf tut sich Schäfer schwer, er ist zu zurückhaltend, darüber haben viele geschrieben.

Deshalb werden heute nur E-Mails beantwortet und Leute zurückgerufen, die ihm von früh bis spät auf den Anrufbeantworter quatschen. Weil die Tochter kein Bafög mehr kriegt. Oder weil die Bahn streikt. "Tun können wir doch eh nichts", sagt er resigniert. Er wundert sich, wie irrational seine Wähler sind.  

Kein Wort haben die Konkurrenten gewechselt

Dass seine Partei die Irrationalität mit populistischen Aussagen noch befeuert, streitet er ab. Ist nicht der ehemalige BDI-Chef und Co-Vorsitzende Hans-Olaf Henkel zurückgetreten, weil er sich über die rechtspopulistischen Parolen einiger Mitglieder ärgerte? "Wenn man wie Henkel lange Zeit der Chef war, auf den alle hörten, dann ist es schwierig, auf einmal in einer Partei Mehrheiten gewinnen zu müssen."

Und die Liebäugelei von Frauke Petry, Vorsitzende der AfD Sachsen, mit den Veranstaltern von Pegida? Schäfer spielt das herunter. "Häufig geht es bei den Flügelstreitereien mehr um persönliche Animositäten, nicht um Überzeugungen."

Wütend wird er nur, wenn er in einen Topf mit der BIW geworfen wird: "Wir sind ganz anders als die", sagt er aufgebracht und hört gar nicht mehr auf, den Kopf zu schütteln. "Wir wollen gestalten." Mit dem Spitzenkandidaten Timke habe er noch kein Wort gewechselt.