Der Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Klaus-Dieter Fritsche, will dem ehemaligen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) nicht zu seiner Indiskretion in der Edathy-Affäre geraten haben. Auf die Frage, ob er Friedrich im Oktober 2013 empfohlen habe, SPD-Chef Sigmar Gabriel von dem Kinderporno-Verdacht gegen den SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy zu berichten, sagte Fritsche: "Ich habe keine Erinnerung, dass ich dem Minister einen solchen Rat gegeben habe."

Fritsche, der als Zeuge im Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Edathy-Affäre vernommen wurde, war 2013 Staatssekretär im Innenministerium gewesen. Er hatte damals vom Präsidenten des Bundeskriminalamtes erfahren, dass Edathys Name in einem Kinderporno-Ermittlungsverfahren aufgetaucht war. Darüber informierte er Friedrich, der kurz darauf mit Gabriel sprach. Friedrich wollte wohl verhindern, dass Edathy einen Regierungsposten erhält.

Der CSU-Politiker war als Folge dieser Indiskretion zurückgetreten. Sein Anwalt schrieb später an die Staatsanwaltschaft, Friedrich habe sich bei seiner Entscheidung, mit Gabriel zu sprechen, auf Fritsches Rat verlassen. Die Ermittlungen wegen Geheimnisverrats gegen Friedrich wurden später wegen geringer Schuld eingestellt.

Edathys Anwalt soll vorab von Untersuchungen gewusst haben

Im Untersuchungsausschuss hat sich auch der für den Edathy-Fall zuständige Oberstaatsanwalt, Thomas Klinge, geäußert. Über ein Treffen mit Edathys Anwalt Christian Noll am 22. Januar 2014 sagte Klinge: "Ich hatte immer das Gefühl, er weiß was." Noll hatte zuvor mehrfach beim niedersächsischen Landeskriminalamt und bei verschiedenen Staatsanwaltschaften nachgefragt, ob gegen seinen Mandanten ermittelt werde. "Diese Hartnäckigkeit hat mich stutzig gemacht", sagte Klinge. Auch habe er bei der Durchsuchung von Edathys Wohnung den Eindruck gehabt, es seien Beweismittel weggeschafft worden. Beispielsweise hätten Abdeckkappen von USB-Sticks herumgelegen. Die Datenspeicher selbst seien aber nicht aufgefunden worden. Klinge sagte: "Es gab Anhaltspunkte, dass da mal mehr da gewesen ist."

Wohnung und Büros von Edathy waren im Februar 2014 durchsucht worden. Kurz zuvor hatte der Innenpolitiker sein Mandat mit Hinweis auf gesundheitliche Probleme niedergelegt.

Der Ausschuss soll herausfinden, wer Edathy gewarnt und damit zur Vernichtung möglicher Beweismittel beigetragen haben könnte. Edathy hat den SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Hartmann als Informanten benannt. Hartmann, der seit Monaten krankgeschrieben ist, bestreitet das.

Das Strafverfahren gegen Edathy war im vergangenen März gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte dafür ein Schuldeingeständnis Edathys zur Bedingung gemacht.