Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer hat eine geplante Visite in Russland abgesagt. Hintergrund ist ein Einreiseverbot für den CDU-Abgeordneten Karl-Georg Wellmann. Bis zur Klärung der näheren Umstände werde er seine Reise nach Moskau verschieben, teilte der CSU-Politiker Singhammer mit.

"Als Vizepräsident des Deutschen Bundestages kann ich es nicht akzeptieren, dass einem Bundestagskollegen ohne Begründung auf dem Moskauer Flughafen die Einreise verwehrt wird", erklärte Singhammer. Er hatte nach eigenen Worten eine Reihe von Treffen etwa im russischen Außenministerium geplant.

Wellmann war am Sonntagabend auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo die Einreise verwehrt worden. Das Auswärtige Amt bezeichnete den Vorfall als "unverständlich und inakzeptabel". Der CDU-Politiker vermutet, dass er auf einer Liste mit Gegensanktionen zu den EU-Strafmaßnahmen steht, die wegen des Konfliktes in der Ukraine verhängt wurden.

Wellmann kritisierte das gegen ihn von Russland verhängte Einreiseverbot als "unklug". Gerade weil Deutschland sich um politische Lösungen für den Ukraine-Konflikt bemühe, sei es unverständlich, jetzt "diese Situation dadurch zu eskalieren, dass man diejenigen, die sich bemühen um einen Ausgleich, ausweist", sagte Wellmann in der ARD. Offensichtlich hätten sich im innerrussischen Machtgerangel hier die Hardliner durchgesetzt gegenüber denen, "die den Ausgleich suchen".

Wellmann sagte, er werde sich davon nicht beirren lassen: "Wir müssen diesen politischen Prozess weitertreiben." Es gehe jetzt nicht um Emotionen, sondern "darum, die Krise zu entschärfen". Allerdings gebe es offensichtlich auf russischer Seite eine geheime Liste nicht erwünschter ausländischer Politiker.