Die große Koalition hat beschlossen, sowjetische Kriegsgefangene für ihr Leid während des Nationalsozialismus zu entschädigen. Dafür habe sie im Nachtragshaushalt zehn Millionen Euro eingestellt, wie aus Koalitionskreisen bekannt wurde. Die Zustimmung der Opposition ist zu erwarten; Grüne und Linke hatten schon seit Jahren zu dieser Entscheidung gedrängt. Von damals etwa 5,3 sowjetischen Kriegsgefangenen leben nur noch etwa 4.000; die meisten sind über 90 Jahre alt. Sie sollen jeweils 2.500 Euro erhalten.   

Angesichts der deutsch-russischen Spannungen wegen des Ukraine-Konflikts könnte der Beschluss eine hohe symbolische Bedeutung haben. Trotz der Differenzen waren Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor zwei Wochen zum 70. Jahrestag des Zweiten Weltkriegs zu einer Gedenkstunde nach Russland geflogen. Auch Bundespräsident Joachim Gauck hatte in seiner Rede zum Jahrestag an die sowjetischen Kriegsgefangenen erinnert. Ihr Tod sei "eines der größten deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs" gewesen, doch ihr Schicksal sei "nie angemessen ins Bewusstsein gekommen – es liegt bis heute in einem Erinnerungsschatten".  

Von 1956 bis Ende 2013 hat der Bund überlebenden Opfern des NS-Regimes insgesamt 71 Milliarden Euro als Entschädigung gezahlt. Die Forderungen der sowjetischen Kriegsgefangenen wurden allerdings jahrzehntelang ignoriert, obwohl ihr Schicksal dem der Zwangsarbeiter und Holocaust-Überlebenden gleicht. Zudem behandelte die Sowjetunion viele überlebende Kriegsgefangenen als Verräter, da sie sich den Faschisten feige ergeben hätten.

Fast sechs Millionen sowjetische Soldaten waren während des Feldzugs der Wehrmacht in deutsche Gefangenschaft geraten. Den Nationalsozialisten galten sie als Untermenschen, die Wehrmacht setzte sämtliche Kriegskonventionen außer Kraft. Jeder zweite Rotarmist in Kriegsgefangenschaft kam in Todeslagern, bei Zwangsarbeit und auf Fußmärschen ums Leben. Im Vergleich dazu überlebten 97 Prozent der westalliierten Kriegsgefangenen.