Wie gut, dass Hannelore Kraft dabei war. Die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen kann so gut Stimmungen aufnehmen und diese so unprätentiös ausdrücken, dass sie deshalb bereits als baldige SPD-Kanzlerkandidatin gehandelt wurde. Nun sitzt Kraft also auf der Pressekonferenz im Kanzleramt, und nach den Statements von Gastgeberin Angela Merkel, Innenminister Thomas de Maizière und SPD-Chef Sigmar Gabriel ist es an ihr, auf den Punkt zu bringen, wozu dieser sogenannte Flüchtlingsgipfel da war. Kraft sagt: "Für mich ist die Botschaft: Wir schaffen das!"

Wichtig ist dieser Satz deshalb, weil die Botschaft der vergangenen Wochen eine ganz andere war. Bund, Länder und Kommunen hatten sich ausdauernd darüber gestritten, wer denn nun am meisten überfordert sei mit den dramatisch ansteigenden Zahlen der Asylbewerber. Wer mehr tun könnte, und auch: wer mehr zahlen könnte. Ämter, Verwaltungen und Politik sind einigermaßen überrollt worden von der Geschwindigkeit, mit der Deutschland zu einem der weltweiten Hauptziele für Flüchtlinge geworden ist. 2012 lag die Zahl der Asylanträge noch bei 77.651, für 2015 rechnet die Regierung jetzt mit 450.000.

Das Treffen am heutigen Freitag diente nun vor allem als Gemütsberuhigung. Viele der konkreten und umstrittenen Fragen dazu, wie genau denn nun das Asylsystem angepasst werden soll an die neuen Realitäten, sind noch nicht beantwortet. Ganz zu schweigen von den entscheidenden Konflikten, die sich auf europäischer Ebene immer deutlicher abzeichnen.

Ein "Maßnahmenpaket" kündigte Innenminister Thomas De Maizière an. Das Ziel ist so simpel wie ehrgeizig: Das Asylsystem schneller und effizienter machen und dadurch die Belastungen für alle Beteiligten senken. Wichtigste Stellschraube dafür ist die Ausstattung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, das die Asylanträge bearbeitet und nun 2.000 neue Stellen bekommen soll statt der bisher geplanten und teils auch schon besetzten 650. Eine wuchtige Vergrößerung des Amtes, das bisher nur 2.800 Mitarbeiter hatte. Auf drei Monate soll die Bearbeitungszeit für die Asylanträge im Schnitt sinken, momentan liegt sie nach Angaben des BAMF noch bei über fünf Monaten.

Viel umstrittener als diese Aufstockung ist die politische Idee hinter dem Vorschlag des Innenministers. Er will stärker differenzieren zwischen "denen, die eine hohe Anerkennungsquote haben, und denjenigen, von denen wir wissen und von denen wir auch wollen, dass sie unser Land auch wieder verlassen". Wer wahrscheinlich eh bald wieder gehen muss, soll gar nicht erst zu weit integriert werden. De Maizière sagte es zwar nicht, es dürfte ihm aber vor allem um jene Bewerber aus dem Balkan gehen, die zu über 99 Prozent abgelehnt werden. De Maizière will diese künftig zentraler unterbringen, um sie dann schneller loszuwerden. "Wenn wir ohnehin wissen, dass aus bestimmten Staaten die Anerkennungsquote niedrig ist, sollte es das Ziel sein, möglichst bis zum Abschluss des Verfahrens eine gemeinsame Unterbringung sicherzustellen."

"Sonderlager" für Bewerber vom Balkan?

Kaum hatte er das gesagt, verschickte der Verein Pro Asyl eine wütende Pressemitteilung. "Eine Aufteilung von Flüchtlingen nach pauschalierender Betrachtung des Herkunftslandes, bevor ein unvoreingenommenes Asylverfahren durchgeführt wurde, ist nicht in Ordnung", heißt es darin. Die Grünen-Vorsitzende Katrin Göring-Eckardt hatte gar schon vor "Sonderlagern" für die Bewerber vom Balkan gewarnt.

Die SPD-Politiker auf dem Podium schienen damit kein Problem zu haben. Überhaupt blieben sie inhaltlich eher blass. Die Partei hatte gefordert, dass der Bund alle Kosten übernehmen solle, die bei Ländern und Kommunen anfallen, bevor ein Asylantrag überhaupt bearbeitet wird. Dazu heute nach dem Treffen: kein Wort.