Nach dem Referendum in Irland für die rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Paaren hat der baden-württembergische SPD-Vorsitzende Nils Schmid eine Abstimmung auch in Deutschland gefordert. "Das Volk soll auch in Deutschland über die Öffnung der Ehe entscheiden können", sagte Schmid. "Dieses gesellschaftspolitische Thema eignet sich auch bei uns hervorragend für eine Volksabstimmung."

Schmid sprach sich für eine Ehe von Lesben und Schwulen aus. "Meine persönliche Haltung ist klar: Es gibt keine Liebe erster und zweiter Klasse", sagte er. "Was meine Frau und ich teilen, will ich auch anderen nicht verweigern."

Der schleswig-holsteinische CDU-Fraktionschef, Daniel Günther, forderte ebenfalls, die Ehe für Homosexuelle zu öffnen. "Ich wünsche mir und werbe dafür, dass wir diese Gleichstellung auch in Deutschland schnell erreichen", sagte Günther. "Meine Wahrnehmung ist, dass die Zustimmung in der Bevölkerung für diesen Schritt sehr hoch ist."

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl hatte zuvor den Vorschlag der Gleichstellungsbeauftragten der Bundesregierung, Christina Lüders, abgelehnt. Lüders hatte gefordert, dass im Bundestag über die Homo-Ehe ohne Fraktionszwang abgestimmt werden solle. Strobl sagte der Frankfurter Rundschau daraufhin, es gelte der Koalitionsvertrag. "Wir sollten uns an unsere Verabredungen halten."

Während ihrer Koalitionsverhandlungen hatten sich Union und SPD darauf geeinigt, Regelungen zu vereinheitlichen. Jedoch nicht darauf, dass die eingetragene Lebenspartnerschaft vollständig der Ehe gleichgestellt werde.

Irland ist das erste Land, in dem die gleichgeschlechtliche Ehe durch eine Volksabstimmung herbeigeführt wurde. 62 Prozent der Iren stimmten in dem Referendum mit Ja, knapp 38 Prozent mit Nein. Der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, nannte das Ergebnis in der Süddeutschen Zeitung eine "kulturelle Revolution".