Acht deutsche Politiker dürfen nicht nach Russland einreisen. Sie stehen auf einer Liste mit 89 Politikern und Militärs, die Russland an mehrere EU-Botschaften geschickt hat. Gegen die Menschen darauf hat Russland langjährige Einreiseverbote verhängt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte Russland: "Ich halte es nicht für besonders klug, solche Einreiseverbote überhaupt auszusprechen." Dies sei auch kein geeigneter Beitrag zu den Bemühungen, "einen hartnäckigen gefährlichen Konflikt in der Mitte Europas zu entschärfen".

Mit der schwarzen Liste reagiert Präsident Wladimir Putin offenbar auf Sanktionen aus Brüssel. Wegen des Krim-Konflikts und der Ukraine-Krise hatte die EU Strafmaßnahmen einschließlich Reiseverbote für russische Politiker und Unternehmer verhängt.

Die meisten der betroffenen Deutschen dürften Putin oder seinen Mitarbeitern wegen ihrer Kritik an Russland aufgefallen sein. Unter ihnen sind zwar keine Politiker aus der allerersten Reihe, aber immerhin eine Staatssekretärin, ein Vizefraktionschef und der Generalsekretär des EU-Rates.

Katrin Suder

Die ehemalige Unternehmensberaterin Katrin Suder ist seit August 2014 Staatssekretärin im Verteidigungsministerium. Sie soll für Ministerin Ursula von der Leyen die Bundeswehr umbauen.

Möglicherweise ist Suder stellvertretend für ihre Chefin auf der schwarzen Liste gelandet: Von der Leyen kritisiert immer wieder Russland. So hatte sie etwa nach der Annexion der Krim gesagt, sie habe das Vertrauen in Putin verloren.

Suder selbst hatte sich für die Aufrüstung des russischen Nachbarlandes Litauen eingesetzt. Mehrere Panzerhaubitzen der Bundeswehr sollen an den baltischen Nato-Partner verkauft werden.

Michael Fuchs

Der stellvertretende Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs, setzt sich schon lange für die Sanktionen gegen Russland ein. Als Reaktion auf den Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeugs über der Ostukraine hatte der CDU-Politiker gefordert, dass Russland die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 entzogen werden müsste.

Zu dem Einreiseverbot sagte er nun gegenüber der Bild: "Es verwundert mich, auf dieser Liste zu stehen. Es ist nicht korrekt, wenn Russland Politiker aussperrt, die nur ihre Meinung sagen."

Karl Müllner

Karl Müllner ist Generalinspektor der Luftwaffe. Im September 2014 waren vier deutsche Eurofighter nach Estland bis Ende 2014 verlegt worden. Der Grund: Die Nato hat als Reaktion auf die Ukraine-Krise beschlossen, die Sicherung des Luftraums in Osteuropa deutlich zu verstärken.

Müllner ist im Baltikum an der Organisation dieser Aufrüstung beteiligt. Dort kommt es immer wieder zu Zwischenfällen mit der russischen Luftwaffe. Müllner hatte Ende vergangenen Jahres der Bild gesagt, dass russische Flugzeuge mehrmals ohne Kennung im internationalen Luftraum geflogen seien: "Es handelt sich mitunter um Großverbände von bis zu 30 Maschinen."

Uwe Corsepius

Uwe Corsepius ist noch bis Mitte des Jahres Generalsekretär des Europäischen Rates, danach soll er Europa-Berater von Kanzlerin Angela Merkel werden. Möglicherweise ist auch er stellvertretend für seinen derzeitigen Chef, EU-Ratspräsident Donald Tusk, auf der schwarzen Liste gelandet.

Tusk hatte etwa vor einer Woche das "aggressive Vorgehen" Russlands gegen die Ukraine kritisiert. Schon als polnischer Ministerpräsident hatte er sich immer wieder für härtere Sanktionen gegen Russland eingesetzt.

Karl-Georg Wellmann

Das Einreiseverbot gegen den CDU-Bundestagsabgeordneten Karl-Georg Wellmann war bereits vor einer Woche bekannt geworden: Der Außenpolitiker durfte am Moskauer Flughafen nicht die Passkontrollen passieren und musste unverrichteter Dinge wieder nach Berlin fliegen. Der Vorfall sorgte für Ärger in Deutschland.

Wellmann engagiert sich stark für die Ukraine, so ist er Chef der deutsch-ukrainischen Parlamentariergruppe. Außerdem war er im Mai 2014 im Land als Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Bernd Posselt

Der CSU-Politiker Bernd Posselt ist Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe. Bis zum vergangenen Jahr war er zudem Europaabgeordneter. In dieser Zeit engagierte er sich für die Ukraine, zudem sprach er vom "Größenwahnsinn" Russlands.

Rebecca Harms

Die Grünen-Europaparlamentarierin Rebecca Harms durfte bereits im September 2014 nicht in Russland einreisen. Damals wurde ihr von russischen Behörden mitgeteilt, sie sei eine "unerwünschte Person". Harms hatte einen Prozess gegen eine ukrainische Pilotin beobachten wollen. Sie setzt sich seit Langem für die Ukraine und für Sanktionen gegen Russland ein.

Nach ihrer Einschätzung rächt sich Russland mit der schwarzen Liste an EU-Reiseverboten gegen Russen. Dabei sei das nicht vergleichbar, sagte sie der Bild: "Moskau hat Völkerrecht gebrochen. Wir nicht."

Daniel Cohn-Bendit

Der Grünen-Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit hatte wie Unionsfraktionsvize Fuchs gefordert, dass Russland die Fußball-WM entzogen werden sollte. Das Einreiseverbot gegen ihn sieht er positiv: "Es ehrt mich, wenn mich ein totalitäres System wie Russland als Feind des Totalitarismus brandmarkt", sagte er der Bild.