Das rot-grüne Bündnis in Bremen kann trotz massiver Verluste beider Koalitionsparteien offenbar mit knapper Mehrheit weiter regieren. Bei der Bürgerschaftswahl am Sonntag wurden die Sozialdemokaten zwar klar stärkste Partei, sackten aber auf ihr schlechtestes Ergebnis im kleinsten Bundesland ab. Da auch die Grünen gegenüber ihrem Rekordergebnis von 2011 stark verloren, reicht es nach den ersten Hochrechnungen nur für die denkbar knappste Mehrheit. Die Wahlbeteiligung in Bremen sank nach ARD-Berechnungen auf 50 (ZDF: 49,5) Prozent und damit auf den niedrigsten Wert, der je bei einer Landtagswahl in Westdeutschland gemessen wurde.

Zulegen konnten die Linkspartei, CDU, FDP und AfD. Die CDU wurde wieder zweitstärkste Kraft, die Liberalen konnte nach Hamburg erneut wieder in ein Landesparlament einziehen. FDP-Chef Christian Lindner sprach von einer Richtungsentscheidung für die FDP bundesweit. Die AfD kam auf Anhieb auf fünf Prozent. Allerdings war der Prognose zufolge noch nicht sicher, ob sie in die Bremer Bürgerschaft einzieht. Die Abstimmung mit rund 490.000 Wahlberechtigten in den Städten Bremen und Bremerhaven war die letzte Landtagswahl in diesem Jahr. Die bundespolitischen Auswirkungen gelten als gering.

Die SPD erzielte das schlechteste Ergebnis seit 1946. "Ich will gar nicht drumherum reden, es ist ein bitterer Wahlabend", sagte Böhrnsen am Sonntagabend. Er setzt trotz voraussichtlich knapper Mehrheiten weiter auf Rot-Grün. Er habe vor der Wahl gesagt, "dass unsere erste Option Rot-Grün ist" und "ich sehe keine Veranlassung, nach der Wahl etwas anderes zu sagen", sagte Böhrnsen mit Blick auf die von ihm erneut angestrebte Regierungsbildung. Rot-Rot-Grün sei "keine Option". Auch Grünen-Spitzenkandidatin Karoline Linnert zeigte sich zu einer Neuauflage von Rot-Grün bereit. Die Grünen fuhren mit ihrer Spitzenkandidatin Karoline Linnert nach dem starken Ergebnis 2011 herbe Verluste ein.

"Wir sind froh darüber, dass wir hier die Regierung werden halten können und somit in 14 von 16 Bundesländern weiter regieren werden", sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi am Sonntagabend im ZDF. Böhrnsen habe sich sehr klar für die Fortsetzung der Regierung mit den Grünen ausgesprochen. "Ich gehe davon aus, dass er dieses als erste Wahl weiterhin verfolgen wird", sagte Fahimi.

FDP-Chef Christian Lindner sieht in dem Wiedereinzug der Liberalen in die Bremer Bürgerschaft eine "Richtungsanzeige für die FDP bundesweit". "Was wir geschafft haben, ist eine Sensation. Seit über 20 Jahren ist das das beste Ergebnis, das die FDP hier hingelegt hat", sagte die 29-jährige Spitzenkandidatin der FDP in Bremen, Lencke Steiner, bei der Wahlparty der FDP am Sonntagabend.

"Wir haben gewonnen. Wir haben unser Wahlziel erreicht", sagte die CDU-Spitzenkandidatin Motschmann im ZDF. Die CDU habe Rot-Grün "knacken" wollen. "Das hat - nach meinem Wissen - fast oder ganz geklappt," sagte Motschmann.

Aus der ersten amtlichen Hochrechnung ergibt sich folgende Sitzverteilung: SPD 30, CDU 20, Grüne 14, Linke 8, FDP 6, AfD 4. Außerdem holte die rechtspopulistische Gruppierung "Bürger in Wut" (BIW) wieder ein Mandat.

Wahlbeteiligung fällt auf Tiefstwert

Die Wahlbeteiligung in Bremen fiel offenbar noch geringer aus als 2011 und lag nur bei rund 50 Prozent. Bei der Wahl vor vier Jahren war die Gesamtbeteiligung mit 55,5 Prozent auf einen historischen Tiefstwert gefallen. Insgesamt waren fast 500.000 Menschen aufgerufen, über die Zusammensetzung des neuen Landtags im kleinsten deutschen Bundesland zu entscheiden. Auch 16- und 17-Jährige durften mitwählen.

Bei der Wahl 2011 siegte die SPD mit 38,6 Prozent. Die Grünen kamen auf 22,5 Prozent, die CDU landete bei 20,4 Prozent und die Linken bei 5,6 Prozent.

Regierungschef Böhrnsen steht bereits seit zehn Jahren an der Spitze der Landesregierung. Der 65-Jährige ist damit aktuell der dienstälteste Regierungschef in einem Bundesland. Bremen war nach Hamburg die zweite und letzte Landtagswahl in diesem Jahr. Bundespolitisch fallen jedoch beide Wahlen nicht ins Gewicht.

Die Auszählung der Stimmen wird mehrere Tage dauern. Am Wahlabend wird es lediglich Hochrechnungen und noch kein vorläufiges Endergebnis für das Bundesland geben.