Der zeitweilig in Berlin festgenommene arabische TV-Journalist Ahmed Mansur hat sich in einer Pressekonferenz zu seiner Haft in Deutschland geäußert. Er sei sich von Anfang an sicher gewesen, dass seine Festnahme nicht rechtens war, sagte der Al-Dschasira-Journalist. Deutschen Regierungsvertretern warf er vor, sie hätten sich von der ägyptischen Regierung instrumentalisieren lassen. "Es tut mir leid, dass es ihr (der ägyptischen Regierung) gelungen ist, einige Leute in der deutschen Regierung für ihre Zwecke zu benutzen", sagte Mansur. Seine Festnahme am Berliner Flughafen sei "eine manipulierte Sache" gewesen.

Formal juristisch sei die Festnahme korrekt abgelaufen, sagten seine Anwälte. Aufklärungsbedürftig sei aber laut Rechtsanwalt Patrick Teubner die Vorgeschichte. Es stelle sich die Frage, wie ein offensichtlich politisch motiviertes Fahndungsersuchen der ägyptischen Justiz in Deutschland habe Geltung erhalten können. Rechtsanwalt Andreas Wattenberg betonte, dass er keinerlei Erkenntnisse darüber habe, dass es eine politische Einflussnahme gegeben habe.

Mansur stellte einen Zusammenhang zwischen seiner Festnahme und dem Berlin-Besuch von Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sissi Anfang Juni her. Im Februar habe er noch unbehelligt nach Frankfurt und Berlin reisen können, berichtete Mansur. "Diesmal, nach dem Besuch von Sissi, wurde ich festgenommen."

Mansur bedankte sich bei den deutschen Journalisten und der Berliner Staatsanwaltschaft. Er wolle auch in Zukunft die Möglichkeit haben, als freier Journalist nach Deutschland zu reisen. In den nächsten Wochen wolle er zurückkommen und "Gespräche mit Politikern führen".

"Wer in diesem Beruf arbeitet, sollte mutig sein"

Als Journalist will Mansur sich durch den Vorfall nicht einschränken lassen. Er sagte, er wolle weiterhin gegen die Diktaturherrschaft in Ägypten und dem Rest der Welt arbeiten. "Wer in diesem Beruf arbeitet, sollte mutig sein", sagte Mansur. "Ich befürchte, dass es das diktatorische Unterdrücker-Regime von Al-Sissi geschafft hat, einen Teil seiner Diktatur, seiner Unterdrückung und seiner Rechtsüberschreitungen nach Deutschland zu exportieren", sagte Mansur in Bezug auf seine Festnahme.

Die ägyptische Regierung wirft Mansur vor, die verbotenen Muslimbrüder zu unterstützen. Eine Frage nach seiner Verbindung zur Muslimbruderschaft beantwortete er nur ausweichend. Er suche als Journalist nach der Wahrheit, sowohl bei der Muslimbruderschaft als auch bei anderen Quellen, sagte Mansur.

Der Moderator, der für den Sender Al-Dschasira in Katar arbeitet, besitzt sowohl die ägyptische als auch die britische Staatsbürgerschaft. Unmittelbar nach der Pressekonferenz wollte Mansur weiter nach Doha reisen. 

In der arabischen Welt gehört Mansur zu den bekanntesten Journalisten. Mit seiner wöchentlichen Interviewsendung erreicht er bis zu 30 Millionen Zuschauer. Ein Gericht in Ägypten hatte ihn in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er wird der Folter eines Anwalt bezichtigt, was Mansur zurückweist. 

Mansur war am Samstag am Flughafen Berlin-Tegel festgenommen worden und saß in der JVA Berlin-Moabit in Gewahrsam. Am Montag wurde er auf Anweisung der Berliner Generalstaatsanwaltschaft wieder freigelassen. Die ägyptischen Behörden hatten gegen ihn einen Haftbefehl erwirkt, den Interpol zunächst weitergegeben hatte. Später teilte Interpol den deutschen Behörden allerdings mit, dass das Fahndungsgesuch aus Kairo wegen eines Verstoßes gegen internationale Richtlinien nicht übernommen werde. Das Fahndungsersuchen bezeichnete Interpol als politisch motiviert. Mansur ließ sich von Interpol schriftlich bestätigen, dass man ihn nicht strafrechtlich verfolge.

Rechtsausschuss fragt Auswärtiges Amt und Justizministerium

"Wir sind mit Hochdruck dabei, den Gesamtvorgang aufzuklären", hieß es am Morgen aus dem Auswärtigen Amt. Auch der Rechtsausschuss des Bundestages wird sich mit dem Fall Mansur befassen. Auf Antrag der Grünen sollen das Auswärtige Amt, das Bundesjustizministerium sowie das Bundesamt für Justiz am Mittwoch kommender Woche zu dem Fall Auskunft geben. "Die Festnahme Ahmed Mansurs war eine rechts- und außenpolitische Peinlichkeit erster Güte", sagte die Ausschussvorsitzende Renate Künast. Der Fehler liege offenbar im System. "So etwas darf nicht noch einmal vorkommen", sagte Künast.