Doch selbst wenn die Erklärung der Bundesregierung stimmt, und die Möglichkeit einer politischen Verfolgung tatsächlich übersehen wurde, bleiben einige Merkwürdigkeiten im Fall Mansur. So konnte der Journalist noch im Februar für eine Woche nach Deutschland reisen, ohne festgenommen zu werden. Und auch bei seiner erneuten Einreise am vergangenen Dienstag in München blieb Mansur unbehelligt. Erst nach seiner Live-Sendung am Mittwoch aus Deutschland, in der er den Nahost-Experten Guido Steinberg interviewte, wurde er festgenommen. Dort habe er sich sehr kritisch zu Ägypten geäußert, sagt ein Anwalt Mansurs. Hat die Regierung in Kairo daraufhin seine Festnahme verlangt? Zumindest habe es am Wochenende der Festnahme ein auf Deutschland gemünztes Auslieferungsgesuch gegeben, heißt es bei den Verteidigern.

"Es hat im Fall Mansur vonseiten der Bundesregierung niemals irgendeine Kontaktaufnahme mit ägyptischen Behörden gegeben", heißt es aus Regierungskreisen. Das schließt umgekehrt natürlich ägyptische Kontaktaufnahmen an Deutschland nicht aus.

Die entscheidende Frage im Fall Mansur ist, was Ende 2014 bei der ersten Prüfung des ägyptischen Fahndungsersuchens passiert ist. Wie gründlich wurden damals die Fahndung und die Bedenken von Interpol geprüft? Bislang ist dieser Prozess eine undurchschaubare Blackbox. Und es stellt sich zudem die Frage, welche Ebene in den Ministerien diese Prüfung erreicht hat. "Wenn vom Auswärtigen Amt eine Entscheidung getroffen wird, dann ist das eine Entscheidung, die der Außenminister mit zu verantworten hat", sagte am Montag noch der Sprecher von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Ähnliches verlautete aus dem ebenfalls SPD-geführten Justizministerium.

Aufklärung im Bundestag

Die Aufklärung wird nun auch den Bundestag beschäftigen. "Wir werden auch in den zuständigen Ausschüssen darüber beraten und mögliche Änderungen prüfen", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich ZEIT ONLINE. "Es hat mich überrascht, dass Herr Mansur erst bei der Ausreise festgenommen wurde." Deshalb sei Aufklärung dringend notwendig.

Fehler der beiden SPD-Minister kann Mützenich nicht erkennen. Ähnliche Vorfälle habe es "unabhängig vom Hausherren" in den beiden Ministerien gegeben. Er kenne zwar das Prozedere dort nicht, aber "offenkundig war die Leitungsebene nicht damit befasst", so der SPD-Abgeordnete. Ganz sicher ist er sich da aber wohl auch nicht.