Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) und Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) fordern mehr Grenzkontrollen im Schengen-Raum. Nach den Erfahrungen rund um den G-7-Gipfel in Elmau dürfe man "nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen", sagte Ulbig der Leipziger Volkszeitung. Zwar könne das Schengen-Abkommen nicht ausgehebelt werden, es müsse aber darüber nachgedacht werden, bestehende Ausnahmeregelungen zu erweitern. Sachsen plane bei der Innenministerkonferenz in Mainz Ende des Monats eine entsprechende Initiative mit Bayern. 

Normalerweise sind Kontrollen im Schengen-Raum nur noch als Stichproben erlaubt. Rund um den Gipfel in Elmau Anfang Juni hatte es an den deutschen Grenzen verstärkte Kontrollen gegeben. Damit wollte die Polizei verhindern, dass gewaltbereite Demonstranten einreisen.

Als Nebeneffekt hatte die Polizei bei den Kontrollen viele per Haftbefehl gesuchte Menschen entdeckt. Zudem griff sie zahlreiche Flüchtlinge auf, die illegal aus anderen EU-Staaten nach Deutschland einreisen wollten.

Markus Söder hatte einigen EU-Staaten vorgeworfen, die Aufnahme ihres Anteils an Flüchtlingen zu verweigern und diese einfach nach Deutschland weiterreisen zu lassen. Er fordert die Prüfung einer Auszeit Deutschlands vom Schengen-Abkommen. "Das gesamte Schengen-System gehört auf den Prüfstand", schrieb Söder in einem Gastbeitrag für Bild am Sonntag.

Die bayerische Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause sprach von einem "antieuropäischen und rechtspopulistischen Vorstoß" Söders.

Der Schengen-Vertrag war vor genau 30 Jahren geschlossen worden, ein wesentlicher Punkt war der Verzicht auf Grenzkontrollen. Den Jahrestag hatten EU-Spitzenpolitiker am Samstag mit einer Feierstunde begangen. Dabei warnten sie davor, angesichts des starken Zuzugs von Flüchtlingen nach Europa die Schengen-Vereinbarung infrage zu stellen.