Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach hat seinen Rücktritt angekündigt für den Fall, dass der Bundestag neues Hilfsgeld für Griechenland beschließt. Das sagte er während der ARD-Sendung Günther Jauch. Eine Mehrheit für ein erneutes Rettungspaket werde es mit seiner Stimme nicht geben, so Bosbach am Sonntagabend. "Ich möchte nicht illoyal sein gegenüber meiner Parteivorsitzenden, ich werde aber auch nie und nimmer gegen meine Überzeugung abstimmen", sagte er. "Deshalb kann es nicht ohne persönliche Konsequenzen bleiben."



Bosbach ist Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag. Er hatte bereits angekündigt, dass er im Bundestag gegen eine weitere Kredittranche für Griechenland stimmen werde. Er hatte schon gegen das zweite Griechenland-Rettungspaket votiert und auch gegen den Euro-Rettungsschirm. "Wenn verlangt wird, dass ich wieder einmal Milliardenzahlungen an Griechenland zustimme, werde ich nicht mitstimmen, aber ich werde auch nicht nur Nein sagen", so Bosbach.    

In derselben Sendung warnte der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, eindringlich vor einem Grexit, also dem Ausstieg Griechenlands aus dem Euro: "Ich will vor allen Dingen nicht, dass durch eine Fehlentscheidung unser eigener wirtschaftlicher Erfolg in Deutschland und Europa gefährdet wird." Deshalb werde er bis zur letzten Sekunde verhandeln, "um genau diese Tragödie zu verhindern".

Schulz: Die Gespräche mit Athen sind nicht gescheitert, nur unterbrochen

Es gebe dafür auch einen Spielraum, sagte Schulz: Die Gespräche mit Athen seien nicht gescheitert, sie seien nur unterbrochen worden. Es habe in einigen Punkten keine Annäherung gegeben, in anderen hingegen schon. Schulz versicherte, bis zur Sitzung der Eurofinanzminister am Donnerstag würden die Gespräche weitergeführt. Man werde weiter hart verhandeln müssen, weil beide Seiten ein Interesse daran haben müssten, dass es zu einem vernünftigen Kompromiss komme.

"Wir werden aus dieser Krise nur herauskommen, wenn Griechenland dauerhaft Wachstum und Beschäftigung hat. Dazu braucht es Investitionen. Um die zu tätigen, müssen wir erst einmal eine Hürde überwinden, das ist die kommende Woche", sagte Schulz. "Und ich bin ziemlich sicher, dass uns das gelingen wird."