Allein richtet in dieser Welt niemand mehr etwas aus, das zeigte das Treffen von Elmau einmal mehr: Nicht die einzig verbliebene Weltmacht USA, trotz ihrer militärischen und ökonomischen Stärke. Nicht Deutschland als politischer und wirtschaftlicher Motor Europas. Über dem G-7-Gipfel, dessen Teilnehmer nicht mehr die allerstärksten Industrienationen repräsentieren, die aber ein gemeinsames demokratisches Wertefundament eint, hing von Anfang an die Erkenntnis: Hier sitzen zwar mächtige Staats- und Regierungschefs an einem Tisch, ein partnerschaftliches Verhältnis ermöglicht offene Diskussionen, viele Ziele teilt die Runde – doch zu lösen sind die drängenden Fragen in den oberbayerischen Alpen nicht.

Längst haben andere Foren dem Club der Sieben den Rang abgelaufen, in denen China, aufstrebende Schwellenländer und eben auch das in Elmau erneut ausgeschlossene Russland vertreten sind. Wie auf die Veränderung des Klimas reagieren, wie die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen voranbringen und finanzieren, wie in der Ukraine, in Syrien oder im Nahen Osten Schritte Richtung Frieden ermöglichen und den Terrorismus eindämmen? Wie nachhaltiges Wachstum sichern, das nicht auf Kosten von Menschen und Umwelt geht? Fast alle Probleme, vor denen die Welt steht, wurden bei diesem Gipfel behandelt, über alle wird weiter zu sprechen sein – mit anderen, wenn sich etwas verändern soll. Denn konkretere Reaktionen auf globale Herausforderungen als bei diesem fröhlichen Treffen in Elmau sind inzwischen eher im Rahmen der G 20 und anderer Gesprächsrunden zu erwarten.

Angesichts dieser Verschiebung läuft die Runde der G 7 immer Gefahr, mit überzogenen Erwartungen überfrachtet zu werden: Ihr habt die Macht, rettet den Planeten! Und hinterher die große Enttäuschung, wenn sie wieder nur "ein deutliches Bekenntnis" formulieren, "ein Zeichen setzen" oder "ein starkes Signal" senden. Zum Beispiel beim Klimawandel: Viel ist es eben nicht, wenn die Lenker der G-7-Staaten lediglich bekräftigten, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf zwei Grad begrenzen zu wollen, und wenn sie anstreben, "im Laufe des Jahrhunderts" ganz auf fossile Energieträger zu verzichten. Es ist lediglich eine Etappe, der kleinste gemeinsame Nenner. Ein Anschubser für die UN-Klimakonferenz in Paris im Dezember.

Jeder Staat muss für sich liefern

Schon eher lässt sich etwas damit anfangen, wenn die Sieben Geld versprechen: etwa mit der Bekräftigung, den schon zuvor geplanten milliardenschweren Klimaschutzfonds für Entwicklungsländer zu füllen – doch auch damit kann man erst arbeiten, wenn er wirklich finanziert ist. Also wie bei den anderen Ambitionen: später, und mit weiteren Partnern, im Rahmen der UN-Prozesse oder der G 20. Und am Ende muss jeder Staat für sich liefern.

Ziele haben sie in Elmau zur Genüge gesteckt, der Weg dahin bleibt oft vage. 500 Millionen Menschen weniger sollen hungern. Wie das gehen soll? Die Frage wird noch unzählige Male diskutiert werden. Es ist eben so: Die G 7 haben zu allen wesentlichen Menschheitsfragen eine Position gefunden; sie bekennen sich zum Klimaschutz, zur Hilfe für die Ukraine oder zu mehr Finanzmarktregulierung – aber die Entscheidungen fallen an anderer Stelle und erst in den kommenden Monaten. Frühestens.

Große Inszenierung

Dazu die ungenierte Inszenierung dieses wahnwitzig teuren Spektakels in der alpinen Idylle. Von der albernen Lederhosen-Alphorn-Weißwurst-Folklore, die Angela Merkel dem US-Präsidenten im pittoresken Krün zum Auftakt zum PR-Geschenk gemacht hat, bis zum gemeinsamen Gang durch die Blumenwiese mit der Kanzlerin als Wanderführerin – es bleibt einmal mehr der Eindruck: Solche Treffen sind Bilder-Gipfel, es gibt gefühlt mehr Termine für Fotografen, als dass die schreibenden Journalisten echte Nachrichten vermelden könnten.

Und dennoch ist dieses Format kein Anachronismus in einer Zeit, da alle Probleme global sind. Die Runde, die in Elmau zusammenfand, ist kein die Weltordnung allein bestimmender Zirkel, aber sie hat noch immer Gewicht. Wenn sie will. Worauf sich die Sieben hier im partnerschaftlichen Dialog geeinigt haben, können sie innerhalb der schwerfälligen G-20- oder UN-Mechanismen mit gemeinsamer Stimme voranbringen, sie können Überzeugungsarbeit leisten, in vielen Fragen Vorreiter sein. Noch einmal: Wenn sie denn wollen.

G 7 als Prozess

Bei aller berechtigten Kritik an den lauwarmen Beschlüssen, die auch diesmal wieder über sie hereinbrechen wird, ist aber auch klar: G 7, das ist kein isoliertes Ereignis, sondern ein Prozess. Einer, der davon lebt, dass diese Staaten etwas gemeinsam haben und zusammen eine Vorstellung entwickeln, wie sie ihre Macht einsetzen wollen, um die Welt zu gestalten – ohne anderen diesen Willen aufzudrücken.

So lässt sich dann auch die Frage beantworten, ob es denn nun gut sei, dass der ausgeschlossene Putin die Runde von G 8 wieder zu G 7 hat schrumpfen lassen. Es stimmt, dass angesichts der Eskalation in der Ukraine jedes Wort mit dem russischen Präsidenten ein Wert an sich ist und Putin darüber hinaus für die Lösung so vieler Krisen, die in Elmau auf der Agenda standen, unverzichtbar ist. Doch dafür ist anderswo Platz. In dieser Gemeinschaft hat Russland in seiner jetzigen Verfassung und so, wie es sich seit der Annexion der Krim verhält, nichts verloren. Froh sind die verbliebenen Sieben darüber allerdings nicht.