ZEIT ONLINE: Die Iren haben sich in einer Volksabstimmung mit großer Mehrheit für die Homo-Ehe entschieden. Stimmt Sie das optimistisch, dass sie auch in Deutschland bald kommen wird?

Stefan Kaufmann: Wir sind bei der Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften ja schon weit vorangekommen, auch durch die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Was noch fehlt ist die Möglichkeit der Eheschließung und damit verbunden das Adoptionsrecht. Darüber ist nach dem Votum der Iren eine intensive Diskussion in Gang gekommen, die wir auch im Bundestag und innerhalb der CDU führen müssen. Das wird noch einige Zeit brauchen.

ZEIT ONLINE:
Sie leben in einer eingetragenen Partnerschaft. Möchten Sie Ihren Lebensgefährten heiraten können?

Kaufmann:
Ich würde sagen, wir sind verheiratet. Wir haben halt den Weg über die eingetragene Partnerschaft gewählt, weil anderes bislang nicht möglich ist. Für viele Homosexuelle gehört aber der Begriff der Ehe und das Verheiratetsein dazu. Sie fühlen sich diskriminiert, wenn ihnen das verwehrt wird. Sie möchten genauso behandelt werden wie heterosexuelle Ehepaare. Juristisch gesehen ist das am Ende allerdings eine Diskussion um das Sahnehäubchen. Wichtiger finde ich das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare.

ZEIT ONLINE: Der Bundesrat will am Freitag mit der Mehrheit der rot-grün geführten Länder die Homo-Ehe beschließen. Wie werden Sie abstimmen, wenn die Vorlage in den Bundestag kommt?

Kaufmann:
Ich habe mich bei solchen Vorlagen, wenn Sie von der Opposition kamen, immer enthalten, nicht aus inhaltlichen Gründen, sondern aus Rücksicht auf Koalitionsabsprachen und die eigene Fraktion. Und ich werde das wohl auch diesmal tun. Aber ich kämpfe, zusammen mit anderen, für eine Veränderung der Position meiner Partei und meiner Fraktion. Und ich bin ganz zuversichtlich, dass wir da vorankommen werden.

ZEIT ONLINE:
Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat in der vergangenen Legislaturperiode, als es um die Frauenquote ging, mit einem abweichenden Votum gedroht – und damit Erfolg gehabt. Wäre das nicht auch ein Vorbild für Sie?

Kaufmann: Das kam damals nicht nur gut an. Und es geht ja nicht nur um die Haltung der Fraktion, sondern auch der Partei. Deshalb halte ich von solchen Drohgebärden nichts. Da ist Überzeugungsarbeit gefragt.

ZEIT ONLINE:
Es gibt den Vorschlag, die Abstimmung im Bundestag freizugeben. Wäre das für Sie eine Option?

Kaufmann: Ja. Denn es würde denjenigen in der CDU, die für die Öffnung der Ehe sind, und das sind nicht wenige, erleichtern der Vorlage zuzustimmen. Ich wäre deshalb durchaus dafür. Das setzt allerdings voraus, dass die Fraktionsführungen dem zustimmen.

ZEIT ONLINE
: Ihr Antrag für die Gleichstellung Homosexueller ist auf dem letzten CDU-Parteitag mit klarer Mehrheit abgelehnt worden. Wie wollen Sie ein Umdenken Ihrer Partei erreichen?

Kaufmann: Auf dem Parteitag ging es um das Steuerrecht. Nach einer intensiven Diskussion haben sich am Ende immerhin 40 Prozent in offener Abstimmung für unseren Vorschlag ausgesprochen, in Anwesenheit der gesamten Parteispitze. Und ich habe den Eindruck, dass sich die Partei inzwischen noch weiterentwickelt hat. Jetzt geht es allerdings um die Ehe und das Adoptionsrecht, und da gibt es noch tiefere Vorbehalte in der Partei als bei der Gleichstellung im Steuerrecht.