Kanzlerin Angela Merkel hat den G-7-Gipfel in Bayern gegen Kritik an Millionen-Kosten und vagen Beschlüssen verteidigt: "Die Regierungschefs der G 7 müssen in einer Welt voller Konflikte die Möglichkeit haben, auf einem solchen Gipfel miteinander zu beraten", sagte die CDU-Vorsitzende. Sie mahnte: "Wir haben in der Geschichte Europas gesehen, wohin es geführt hat, wenn nicht gesprochen wurde."

Zehntausende Demonstranten hatten am Donnerstag gegen den Gipfel der großen Industrienationen USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien protestiert. Sie beklagen, es werde zu wenig für Klimaschutz, Hunger- und Armutsbekämpfung und Chancengleichheit getan. Fast 20.000 Polizisten sichern den Gipfel auf Schloss Elmau. "Wenn es jetzt im Umfeld des Gipfels Kundgebungen und Alternativveranstaltungen gibt, dann ist das auch Zeichen einer lebendigen Demokratie", sagte Merkel. Gegen Gewalt werde die Polizei aber vorgehen.

Die Kanzlerin warnte vor zu hohen Erwartungen an das Treffen bei der Bewältigung internationaler Krisen. "Man kann von einem Sonntag und einem Montag in Elmau nicht die Lösung aller Konflikte erwarten." Hinsichtlich der Ukraine-Krise kündigte sie lediglich eine Bestandsaufnahme der Umsetzung des Minsker Friedensabkommens vom Februar an. "Auf diesem Weg müssen wir weitergehen, aber er wird weiterhin Zeit brauchen", sagte sie.

Kanadas Premier will Putin dauerhaft ausladen

Die Rückkehr Russlands in die Gruppe von acht wichtigen Industrienationen hält Merkel derzeit für unrealistisch. Russland war 2014 nach der Annexion der Krim aus der G 8 ausgeschlossen worden. "Eine Teilnahme Russlands ist zurzeit nicht vorstellbar", sagte Merkel. Sie betonte aber: "Manche Konflikte, etwa den in Syrien, können wir ohne Russland gar nicht lösen." Sie halte deshalb regelmäßig Kontakt zu Kremlchef Wladimir Putin. Merkel verwies auf das größere Gesprächsformat G 20, an dem Russland beteiligt ist. "Ich bin froh, dass sich auch dort eine sehr gute Arbeitsatmosphäre entwickelt hat."

Kanadas Premierminister Stephen Harper will Russland dauerhaft vom G-7-Gipfel ausschließen, solange Putin im Amt ist. "Ich denke nicht, dass Russland unter Wladimir Putin zur G 7 gehört - Punkt", sagte Harper. Kanada sei strikt dagegen, dass Putin je wieder mit am Tisch sitze. Putin habe den Ausgang des Kalten Krieges nie akzeptiert, sagte Harper. Russland führe sich wie ein strategischer Rivale auf, der die Ziele des Westens aus Prinzip ablehne. "Ich denke nicht, dass sich Russland unter diesem Führer in irgendeiner Weise ändern wird", sagte der konservative Politiker.

Merkel beschrieb die G 7 als Wertegemeinschaft. "Die G 7 sind eine Gruppe von Staaten, die Werte wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit teilen." Zu den Prinzipien der Gruppe gehöre die Verteidigung des Völkerrechts und der Unverletzlichkeit von Landesgrenzen. "Russlands Annexion der Krim war dagegen eine Verletzung des Völkerrechts", sagte Merkel.