Fachverbände sehen im geplanten Gesetz zur Palliativmedizin Verbesserungen, fordern aber auch Nachbesserungen. So sei Palliativmedizin zwar im Medizinstudium Pflichtfach, in anderen Ausbildungen aber noch nicht so stark verankert, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Lukas Radbruch. Auch die Mitarbeiter der allgemeinen Krankenhausstationen müssten zumindest Grundkenntnisse erhalten. Zudem forderte der DGP-Präsident für Pflegeeinrichtungen einen Palliativbeauftragten, der kontrolliert, dass Standards eingehalten werden. 

Erich Lange vom Deutschen Hospiz- und Palliativverband verlangte, finanziert werden müssten künftig auch die Beratung durch Mitarbeiter der ambulanten Hospizdienste. Bisher vorgesehen ist ein Rechtsanspruch auf Beratung durch die Krankenkassen. Kritisch äußerte sich zudem das Zentrum für Qualität in der Pflege. Die palliativmedizinische Versorgung müsse in der Qualitätsprüfung und -darstellung von Heimen einen höheren Stellenwert einnehmen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Zentrums, Ralf Suhr.

Der Bundestag berät derzeit über einen Gesetzentwurf der Bundesregierung. Ziel ist, ein flächendeckendes Hospiz- und Palliativangebot in ganz Deutschland zu schaffen. Dabei soll auch "ein reibungsloses Ineinandergreifen verschiedener Hilfsangebote" garantiert werden. Bislang funktioniert die Vernetzung zwischen medizinischen, pflegerischen und hospizlichen Leistungen nicht überall gut.

Mängel bei der Versorgung Sterbenskranker gibt es besonders im ländlichen Raum und in Altenpflegeeinrichtungen. So soll die ambulante Palliativversorgung weiterentwickelt und die stationäre Hospizarbeit finanziell stärker gefördert werden. Im einzelnen ist vorgesehen:

  • Die Palliativversorgung wird Bestandteil der Regelversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung, Sterbebegleitung Bestandteil der Pflegeversicherung.
  • Pflegeheime sollen mit niedergelassenen Ärzten kooperieren. Dafür erhalten die Ärzte eine "unbefristete und obligatorische Vergütung".
  • Die finanzielle Ausstattung stationärer Kinder- und Erwachsenen-Hospize wird verbessert.
  • Bei den Zuschüssen für ambulante Hospizdienste werden künftig neben den Personalkosten auch die Sachkosten berücksichtigt, beispielsweise Fahrtkosten der ehrenamtlichen Mitarbeiter.
  • Weil viele Bürger zu wenig über die Möglichkeiten der Hospiz- und Palliativversorgung wissen, sollen sie einen Rechtsanspruch erhalten, sich hierzu von ihrer Krankenkasse individuell beraten und unterstützen lassen zu können.
  • Pflegeheime sollen ihren Bewohnern zudem "ein individuelles und ganzheitliches Beratungsangebot über Hilfen und Angebote zur Betreuung in der letzten Lebensphase" machen können. Finanzieren sollen es die Krankenkassen.
  • Im Bundestag formulieren verschiedene Gruppen von Abgeordneten derzeit zudem Gesetzentwürfe zur Sterbehilfe. Am Nachmittag präsentiert ein Team um den CDU-Parlamentarier Peter Hintze einen, der den ärztlich assistierten Suizid ermöglichen soll wenn der Patient sterbenskrank ist und extrem leidet. Parallel zu dieser Gruppe haben noch drei weitere Gruppen Anträge zur Sterbehilfe erarbeitet. Anfang November will der Bundestag einen Beschluss zum Thema Sterbehilfe fassen.